Fortbildung neu denken: Aus aktuellem Anlass …

Mit dem Erscheinen meines vierten Bands Das Fortbildungskonzept zur modernen Schule ist diese Webseite im Frühjahr online gegangen. Etwa zum gleichen Zeitpunkt erschien eine Studie mit einigen Aussagen von Schulleitungen zu deren Einschätzung zum deutschen Schulsystem [1]https://www.spiegel.de/panorama/bildung/deutschlands-schulleitungen-halten-stundenplaene-fuer-nicht-mehr-zeitgemaess-a-1f0f63f0-445d-4d57-8bd6-ff9a9d07fece, Paywall: Die große Mehrheit der Schulleiterinnen und Schulleiter ist sich darin einig, dass die Bundesrepublik eine »neue Kultur des Lernens« braucht. 82 Prozent der Schulleitungen sprechen sich dafür aus, die Stundenpläne mit dem althergebrachten Fächerkanon umzukrempeln. Dieser sei »nicht mehr zeitgemäß«, sondern bedürfe einer grundlegenden Überarbeitung. Knapp die Hälfte der Befragten wünscht sich, dass der Fachunterricht thematisch stärker vernetzt wird. Etwa ein Viertel würde einen insgesamt fächerübergreifenden Unterricht bevorzugen. 93 Prozent wünschen sich außerdem, dass im Unterricht mehr Lebenskompetenzen vermittelt werden, um Kinder und Jugendliche besser auf das Erwachsensein und die Arbeitswelt vorzubereiten.

Um genau diesen Einzug einer neuen Kultur des Lernens soll es in diesem Beitrag gehen, unter verschiedenen Gesichtspunkten. Die Auswahl richtet sich an diejenigen, die sich für die Weiterentwicklung von Lernkultur interessieren. Themen sind:

  • Unterrichts- und Schulentwicklung
  • Schulleitungshandeln
  • Neues Lernen
  • Lernräume

Einfach auf das blaue  Vorschaubild der Version vom 19:13, 3. Sep. 2016 klicken, um dem Tweet/Thread folgen zu können.

Doch zu Beginn zwei Themen:

  • Deutscher Schulpreis
  • KI im Unterricht

die im #Edutwitter den einen oder anderen kritischen Kommentar auslösten.

Deutscher Schulpreis 2022

 
Mit dem Deutschen Schulpreis 2022 wurde – so die beiden Initiatoren Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung – erstmals die Kernaufgabe von Schule >>Qualität des Unterrichts und damit die Qualität des Lehrens und Lernens<< in den Mittelpunkt der Ausschreibung gestellt. 81 Schulen haben sich um die Auszeichnung schriftlich beworben. Sie setzten sich dabei mit folgender Frage auseinander [2]https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf/2022-09/Deutscher_Schulpreis_2022_Unterricht_besser_machen.pdf:

  • Wie gewährleistet unsere Schule ein hohes fachliches und überfachliches Niveau sowie einen Bezug zur Lebenswelt der Schüler:innen
  • Wie gelingt es unserer Schule, fachliches Lehren und Lernen und überfachliche Kompetenzentwicklung im schulischen Alltag zu
    verbinden?
  • Inwiefern stärkt und fördert unsere Schule eigenverantwortliches und kooperatives Lernen?
  • Wie stellt unsere Schule eine anregungsreiche Lehr- und Lernumgebung sicher?
  • Welche Formen von Beratung und Feedback an die Lernenden sind bei uns etabliert und beobachtbar?
  • Welche verbindlichen Regeln und Vereinbarungen zum Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten gibt es an unserer Schule?

Wesentlich bei der Bewerbung ist nicht nur die Beschreibung, was und wie etwas getan wird, sondern ebenso die substanzielle Begründung, warum dies getan wird. Ein Beispiel: Beschreiben Sie bitte nicht nur die Maßnahme, sondern erklären Sie, inwiefern diese Maßnahme die Entwicklung von einzelnen Schüler:innen fördert. Welcher Vorteil ergibt sich aus dieser Maßnahme gegenüber der bisherigen Praxis? Warum ist das Konzept gerade für diese Schüler:innen geeignet?

Grundlage des Deutschen Schulpreises sind die sechs Qualitätsbereiche: Unterrichtsqualität; Leistung; Umgang mit Vielfalt; Verantwortung; Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner sowie Schule als lernende Institution. Auch für den Deutschen Schulpreis 2023 (dazu am Ende noch mehr) bilden diese Merkmale guter Schule den Rahmen – der Fokus liegt auf dem Qualitätsbereich Unterrichtsqualität.

Eine Jury aus 50 Expert:innen aus Bildungswissenschaft, Schulpraxis und Bildungsverwaltung prüfte die Bewerbungen, führte Telefoninterviews und wählte in der ersten Jurysitzung die TOP 20 Schulen aus. Anschließend besuchten multiprofessionell aufgestellte Juryteams diese Schulen jeweils zwei Tage lang, hospitierten im Unterricht, führten Gespräche mit der Schulleitung, den Lehrkräften, Eltern, Schüler:innen und außerschulischen Partnern. Im Anschluss entschied die Jury in ihrer zweiten Sitzung über die TOP 15 Schulen und die Preisträger.

Eine Sketchnote von Susanne Posselt anlässlich eines Vortrags von Prof.’in Monika Buhl [3]https://twitter.com/susanneposselt/status/1527704386516013056 illustriert das Verfahren in sehr anschaulicher Weise (für eine bessere Lesbarkeit auf das Bild klicken):
 

Die 15 nominierten Schulen
  • Die Deutsche Europäische Schule Singapur schafft es, mit einem eng kooperierenden Kollegium ihren Unterricht systematisch weiterzuentwickeln. 
  • Das Evangelische Lichtenstern-Gymnasium Sachsenheim setzt auf lebensnahen, fächerverbindenden Unterricht. Die Berufsorientierung der Schule ist beispielhaft. 
  • Die Ganztagsgemeinschaftsschule G. E. Lessing in Salzwedel (Sachsen-Anhalt) kämpft wie alle Schulen in der Altmark mit einem massiven Lehrkräftemangel. Dennoch gelingt es ihr unter anderem durch kreativen Unterricht und ihr Inklusionskonzept, alle Schüler:innen zum Abschluss zu führen. 
  • Die Ganztagsgrundschule Saarbrücken-Scheidt (Saarland) versteht sich als offener Lebens- und Lernort für alle Mitglieder der Schulgemeinschaft – ein Ort, an dem alle mitgestalten, selbstständig handeln und Verantwortung übernehmen. 
  • Teamwork statt Einzelkämpfertum: Mit dieser Haltung macht sich die Gemeinschaftsschule Harksheide in Norderstedt (Schleswig-Holstein) dafür stark, ihre Schüler:innen beim nachhaltigen Lernen zu unterstützen. 
  • An der Gesamtschule Höhscheid (Solingen, Nordrhein-Westfalen) steht das eigenverantwortliche Lernen im Mittelpunkt. In individuellen Coachings lernen die Schüler:innen die dafür nötigen Kompetenzen, ein Logbuch gibt ihnen Orientierung. 
  • Der Unterricht an der Grund- und Werkrealschule Villingendorf (Baden-Württemberg) ist stark handlungsorientiert und praxisnah. Insgesamt 50 Betriebe kooperieren mit der Schule und gestalten Unterrichtsangebote mit. 
  • Die inklusive Havelmüller-Grundschule in Berlin zeichnet sich durch ihren individualisierten und interessengeleiteten Unterricht in Lernhäusern aus. 
  • Die Heinrich-Lübke-Schule in Brilon (Nordrhein-Westfalen) setzt auf Individualisierung, Lernbegleitung und ritualisierte Tagesabläufe, um ihre Schüler:innen bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. 
  • Der Unterricht an der niedersächsischen IGS Buchholz, eine junge Gesamtschule, ist geprägt durch ein hohes Maß an partizipativer Mitbestimmung der Schüler:innen und digital gestütztem Lernen. 
  • Am Montessori Zentrum Angell Freiburg (Baden-Württemberg) steht das selbstständige Arbeiten im Fokus. Über 1.100 Schüler:innen lernen von der Primarstufe bis zum Abitur auf einem gemeinsamen Campus. 
  • Eine starke Beteiligung der Schüler:innen macht den Unterricht am Otto-Nagel-Gymnasium in Berlin besonders. So gestalten in der Interessengemeinschaft „IG Friedenstaube“ Schüler:innen selbstständig Lernangebote für den Ganztag. 
  • An der inklusiven und jahrgangsübergreifenden Paula-Modersohn-Schule in Bremerhaven (Bremen) lernen die Kinder und Jugendlichen mithilfe von Kompetenzrastern, ihr Lernen selbst in die Hand zu nehmen. 
  • Das Placida-Viel-Berufskolleg in Menden (NRW) verzahnt Elemente des Daltonplans mit Mentoring und Digitalisierung. 
  • Das Regionale Berufliches Bildungszentrum Müritz in Waren (Mecklenburg-Vorpommern) bereitet auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vor. Das gelingt ihr auch mit Hilfe einer didaktischen Jahresplanung.

Im Vorfeld gab es im #Edutwitter auch Kritisches zur Ausschreibung zu lesen. Vor allem mit den in dem Referenzrahmen gesetzten Prämissen. Hier zwei Links:

In der Tat haben auch wir hessischen Schulberater*innen uns regelmäßig mit dem Hessischen Referenzrahmen (HRS) auseinandergesetzt. Auch, weil sich Herausforderungen an Schul- und Unterrichtsentwicklung, an Schulleitungshandeln immer wieder neu stellen. Ich habe noch gut unsere teilweisen kontroversen Diskussionen in Erinnerung. Sie haben 2011 und 2021 zu entsprechenden Revisionen geführt, nicht zuletzt durch Expertise außerhalb der hessischen Grenzen.

Eine weitere Kritik zielt auf Frage ab, inwieweit die Erfahrungen der prämierten Schulen übertragbar seien. Schulen hätten es mit ganz anderen Problemen zu tun, viel elementarer. Unterrichts- und Schulentwicklung sei niederschwelliger anzusetzen. Und doch empfehle ich eine Bewerbung auch für das Jahr 2023. Aus drei Gründen: Zum einen ist der Preis hoch dotiert, d. h. im Auszeichnungsfall kann man lang gehegte Wünsche umsetzen. So hat sich z. B. 2016 die siegreiche Freiherr vom Steinschule (Neumünster) einen Glasfaseranschluss legen lassen können. Zum anderen erhält man Besuch von einer Expertengruppe, die vor Ort eine externe Evaluation durchführt und der Schule eine an den oben genannten Kriterien ausgerichtete Auskunft über die aktuelle Schul(entwicklungs)arbeit liefert. Und schließlich rundet eine spannende und wertschätzende Abschlussveranstaltung das Ganze ab, mit der Möglichkeit sich untereinander zu vernetzen. 

KI im Unterricht

Dieses Thema ist so neu nicht. Bereits Philipp Wampfler hat sich in einem Blogbeitrag Automatische Texte mit GPT-3: Das Ende der Aufsatzdidaktik damit auseinandergesetzt. Es geht um den Einsatz der GPT-3 Technologie, die in Textgeneratoren und KI-gestützten Programmen eingesetzt wird. Wampfler kommentiert abschließend:

In der Schule werden diese Algorithmen wohl noch eine Weile bekämpft – genauso wie Gemeinschaftlichkeit und Kommunikation. Letztlich werden diese drei Merkmale der Kultur der Digitalität aber nicht verhindert werden können – die Energie, die in diesen Kampf fließt, ist verschwendet. Wer Jugendliche umfassend bilden will, stellt ihnen diese Möglichkeiten zur Verfügung und schafft Settings, in denen ein reflektierter, kritischer und bewusster Einsatz von Technologie möglich ist.

Nun ist eine neue Diskussion entbrannt, nicht zuletzt durch den Tweet des @krautreporter Bent Freiwald:

sowie weitere Kommentare zu den einlaufenden Tweets:

  • Während einige sich noch wundern, dass Schüler:innen EINE KI nutzen, um Texte zu schreiben, sind die Jugendlichen schon 2 Schritte weiter: Sie kombinieren nämlich MEHRERE KI Tools [4]https://twitter.com/hav_hendrik/status/1575447260942458881. (@hav_hendrik)
  • Wenn Schüler:innen mit KI-Algorithmen Essays verfassen, zeigt das auch, dass Schreiben kein „Monolog mit einem weißen Blatt Papier“ (Wygotski 1934) ist, sondern ein sozialer Prozess. Niemand schreibt alleine und isoliert. KI-Essays machen das nur sehr, sehr deutlich [5]https://twitter.com/mediendidaktik_/status/1575564727144456192. (@mediendidaktik)
  • Zur Diskussion um sinnvolle Lern- & Arbeitsaufträge: KI schreibt Texte zu beliebigen Themen & in beliebigen Sprachen & variablem Register für mich – wird spannend, wenn SuS das finden! Hätte ich das damals gehabt… [6]https://twitter.com/HPoelert/status/1574471244061315081 (@HPoelert)
  • Eine Taskcard mit einer Sammlung von Rückmeldungen aus Edutwitterszene, zusammengestellt von @coolschooltoday

Ich bin gespannt, wie die Diskussion weitergehen wird. Für eine Vertiefung empfehle ich den Blogbeitrag von Urs Henning, den Artikel Argumentieren lernen mit automatisiertem Feedback von Dr. Thorben Jansen/Dr. Jennifer Meyer sowie eine Fortbildungsveranstaltung der Uni Potsdam. Innerhalb des Anmeldeprozesses kann man Fragen an die Impulsgeber*innen geben 👍.

Welche absurden Auswirkungen das Ganze haben kann, zeigt dieses kleine Video: vom Wall Street Journal (Oktober 2019):

Und nun zu den Tipps aus dem Edutwitter(campus) …

Unterrichts- und Schulentwicklung

@Schulleitung

Neues Lernen

Lernräume

Schlussbemerkung

Joscha Falck – Lehrer, Schulentwicklungsmoderator und Referent für Schulentwicklung und digitale Transformationsprozesse aus Bayern – kommentierte kürzlich in seinem Beitrag Die Fortbildung ist tot, es lebe die Fortbildung: Wer jedoch ein wirkliches Interesse an der Transformation von Schule und Unterricht hat, sollte den Fokus verschieben und dorthin blicken, wo diese Transformation bereits gelungen ist. Das gelingt z. B. durch einen „virtuellen Besuch“ der Schulpreisträger. Nicht nur der aktuellen, sondern auch durch die professionell dokumentierten Schulpreissieger der vergangenen Jahre [7]https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/deutscher-schulpreis-das-sind-die-besten-schulen/.

Das Fortbildung- und Weiterbildungsthema spielt darüber hinaus in den Umgang mit dem aktuellen Lehrkräftemangel hinein: Wie die Seiteneinsteiger integrieren, wie den Unterrichtsausfall kompensieren? Damit kämpfen zurzeit alle Ministerien. So verfasste Sachsens-Anhalts Kultusministerin Eva Feußner (CDU) einen Brief an alle Leiter*innen von Sekundar- und Gemeinschaftsschulen in Sachsen-Anhalt mit der Ankündigung einer Vier-Tage-Präsenz-Woche als ein offizielles Angebot des Landes. Feußner gewährte darin den Schulleiter*innen „zusätzliche Freiräume in der konzeptionellen Unterrichtsplanung und Unterrichtsdurchführung“.

So sehr ich eine Verantwortungsübergabe begrüße: Das allein führt zu keiner nachhaltigen Lösung. Wünschenswert ist eine Fortbildungsinitiative der Ministerien und ihrer nachgeordneten pädagogischen Institute mit einer inhaltlichen wie organisatorischen Verantwortungsübernahme. Ganz so, wie sie das Land Hessen das in den Jahren 2010ff bei der Weiterentwicklung eines kerncurricular gesteuerten Unterrichts angelegt hat. Mit einer zweijährigen Fortbildungsinitiative der Fachkollegien in MINT, PoWi und neue Sprachen (Englisch, Französisch). Für die Maßnahme in Mathematik Grundschule liegt eine Evaluation vor. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen decken sich mit unserer eigenen internen Analyse nach Befragung der beteiligten Sek. I Schulen. Für einen Überblick habe ich eine videografierten Einführung in das Fortbildungskonzept erstellt (ab 6:30 vorgestellt).

Damit auf diesem Weg Unterrichts- und Schulentwicklung gelingt, ist die Einbeziehung der Schulleitungen unbedingte Voraussetzung. Daneben benötigt es engagierte und änderungswillige Fachkollegien. Es benötigt darüber hinaus eine multiprofessionelle Koordination, sowohl auf institutioneller (Stichwort Inhalte) wie auf schulischer und regionaler Ebene (Stichwort Vernetzung). Alles das zusammen hilft, das folgende Bild vermeiden zu helfen:

In diesem Sinne:

… Stay tuned …

Titelbild von Gerd Altmann (@pixabay)

 

Fortbildung: Zur Nachahmung empfohlen!

Ich habe kürzlich über meinen Workshop @4.Medienfachtag berichtet. Die anwesenden Schulleitungen und Steuergruppenmitglieder wünschten sich eine vom Land organisierte und orchestrierte Fortbildungsinitiative. Für die Schulen in Baden-Württemberg eröffnet sich aktuell eine Möglichkeit. Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg hat ein Projekt Referenzschulen BW entwickelt und will damit Schulen im Bereich der digitalen Transformation unterstützen. Am Projekt beteiligte Schulen erhalten Fortbildungen durch das LMZ / den MZV und werden zu Multiplikatoren für weitere Schulen, indem sie beispielsweise Einblicke in ihre Arbeitspraxis geben oder den themenbezogenen Austausch zur Medienbildung und zum Medieneinsatz voranbringen.

Dieses kurze Video beschreibt kurz und knackig die Ziele der Initiatoren:

 

 

 

 

 

 

Das Landesmedienzentrum lädt aktuell seine Landesschulen ein, sich als Referenzschule zu bewerben und erwartet die Bereitschaft,

  • sich im Bereich der digitalen Transformation weiterzuentwickeln und
  • sich mit anderen Schulen auszutauschen und sich zu öffnen.

Darüber hinaus bewirbt das LMZ die Schulen mit:

(…)

landesweiten Vernetzungsveranstaltungen zu Beginn, in der Mitte und zum Abschluss des Projekts, bei denen beteiligte Schulen nicht nur Inputs bekommen, sondern auch ihre gegangenen Schritte und erreichten Ziele präsentieren können. Die letzte Vernetzungsveranstaltung ist dabei als für alle Schulen des Landes offene Veranstaltung geplant.

Die Schulen im Referenzschulnetzwerk werden gleichzeitig motiviert und unterstützt, Öffnungsveranstaltungen durchzuführen. Dies können für andere Schulen geöffnete Fortbildungstage sein oder die aktive Teilnahme und Präsentation während Veranstaltungen des örtlichen Medienzentrums oder des Landesmedienzentrums (z.B. Medienkompetenztage, digital@regional usw.)

Das Referenzschulnetzwerk eröffnet Perspektiven und fördert den Austausch.

Kurz: „Lernen mit und von anderen Schulen“. 

Das Projekt unterstützt Schulen bei:

  • der Förderung der Medienkompetenz und Qualifikation von Lehrkräften
  • der schulische Medienentwicklung
  • der Öffnung und Vernetzung mit anderen Schulen.

Jo, viel Erfolg möchte man allen Beteiligten zurufen und allen außerhalb Baden-Württembergs: Zur Nachahmung empfohlen

… Stay tuned …

Bildnachweis: Logo Referenzschulen BW @Landesmedienzentrum BW

 

 

 

Fortbildung: Woher nehmen, wenn nicht stehlen …

Anfang April hat das Zentrum für digitale Lernwelten den 4. Medienfachtag abgehalten. Es wurden Fragestellungen rund um das Thema Agilität in der Bildung und was das für die Unterrichtspraxis bedeutet, diskutiert. Über 28 Workshop-Angebote standen den Teilnehmenden aus allen Schulformen und -stufen zur Verfügung und boten vielfältige Möglichkeiten, die individuelle Expertise rund um digitale Transformationsprozesse zu erweitern bzw. zu vertiefen. Ich selbst war mit einem Vortrag zu „Schule 5.0“ dabei, in dem ich das Constructive Alignmentmodell vorgestellt und unterrichtsnah konkretisiert habe. Es ging darüber hinaus um fächer-, klassen- und jahrgangsübergreifende Unterrichtsprojekte und Schulangebote und im anschließenden Workshop um die Frage, wie ein geeignetes Fortbildungskonzept aussehen könne.

Mittlerweile habe ich das Feedback ausgewertet. Übereinstimmender Tenor: Das Kultusministerium möge

  • mit einer landesweiten Initiative aktiv werden und
  • ein Arbeitszeitmodell einführen, das die schulinterne Fortbildung vor Ort ermöglicht.

Auf diese beiden Forderungen gehe ich in diesem Beitrag ein.

Landesinitiative a lá Hessen (2007 - 2014)

Im Rahmen des hessischen Unterstützungsprogramms „Kompetenzorientiert unterrichten – Bildungsstandards nutzen“ wurden Lehrkräfte über einen längeren Zeitraum fortgebildet. Es gab vier Teilprojekte „Kompetenzorientiert unterrichten“ in

  • Mathematik und Naturwissenschaften (KUMN),
  • Neue Sprachen,
  • Deutsch und in der
  • Grundschule.

Ziel war, dem pädagogischen Personal Wege aufzuzeigen, wie das landesweit gültige Kerncurriculum zu einem schulinternen Curriculum weiterentwickelt werden kann. Das Bild

 

 

deutet an, wie wir seinerzeit in Hessen vorgegangen sind:

  • Mit einem zweijährigen, von Expert*innen getragenen Fortbildungsangebot,
  • mit einer professionellen Prozessbegleitung,
  • mit der Organisation von regionalem Austausch (Schulmessen) und
  • mit Publikationen analog (Zeitschrift BildungBewegt) und digital (kou-hessen).

Ich habe auf dem Workshop eine Adaption mit Fokus auf Schule in der digitalen Welt vorgestellt. Auch mit Überlegungen, wie eine Schulleitung, eine Steuergruppe agieren kann, wenn (noch) keine Landesinitiative angeboten wird. Nachzulesen in meinem Band 4 bzw. in einer videografierten Variante.

Die Teilnehmer*innen des Workshops bestätigten in einer ersten Stellungnahme und im anschließenden Feedback die Sinnhaftigkeit eines solchen Angebots. Und forderten darüber hinaus eine Entlastung bei der Organisation und Durchführung dieser Fortbildungsinitiative.

 

Entlastung durch „Dreimal fünf Prozent“ ...

Ich hatte bisher immer auf die Einführung eines Arbeitszeitmodell gesetzt, das – wie in Betrieben und Unternehmen üblich – Fort- und Weiterbildung als zeitlich zu berücksichtigenden Bestandteil der eigenen Professionalisierung berücksichtigt. Das scheint aber nicht umsetzbar zu sein, warum auch immer. Vielleicht (?) die Vorschläge von Prof. Bewyl von der FH NW Schweiz, die er kürzlich in einem ZEIT Beitrag veröffentlicht hat[1]https://www.zeit.de/2022/16/schulbildung-hattie-studie-lehrkraefte-evaluation-lernerfolg:

Ich nenne ihn “Dreimal fünf Prozent”:

  • Wir senken das Unterrichtsdeputat der Lehrkräfte um fünf Prozent, das setzt bis zu 80 Arbeitsstunden pro Jahr frei für kooperativ-datenbasierte Unterrichtsentwicklung.
  • Wir reduzieren die Unterrichtszeit, in der die ganze Klasse mit der Lehrkraft zusammen ist, um fünf Prozent. Die Schüler arbeiten selbstständig – je nach Alter und Fähigkeit in der Schule oder zu Hause. Damit ist die Deputatsreduktion kostenneutral.
  • steigt der Schuletat dauerhaft um real fünf Prozent.

Diese Zusatzmittel werden investiert, um bei der circa fünfprozentigen zeitlichen Reduktion der „klassischen Schule“ die Wirksamkeit des Unterrichts zu steigern – und zwar durch Lehr-und Lernmethoden, die sich in Hatties Metastudien als hochwirksam erwiesen haben. Dazu gehören auch videobasierte Instruktionen, die mit schnellen (notenfreien) Tests und effektivem Lernfeedback kombiniert werden. Oder selbstgesteuerte Arbeit in leistungsähnlichen Gruppen, unterstützt durch fortgeschrittene Schüler. So kann erreicht werden, dass die schulischen Leistungen das heutige Niveau übertreffen.
 
Was in Unternehmen und Hochschulen zunehmend als der Goldstandard effektiven Lernens gilt, kann sich damit auch in Schulen etablieren: Gelernt wird vermehrt selbstgesteuert und im Team. Unterstützt wird dies durch externe Experten wie durch spezialisierte Lehrkräfte: Denkbar wären die Expertin fürs Digitale, der Fachmann für die Evaluation, die Spezialistin für den klassenübergreifenden Fachunterricht. Gemeinsam verantworten die Lehrkräfte, welcher Stoff analog und welcher digital vermittelt wird, wann der Unterricht innerhalb und wann außerhalb des Klassenverbands stattfindet.
 
All das wird nicht nur die Lernergebnisse verbessern, sondern auch den Lehrerberuf attraktiver machen. So viele Gewinnchancen – wer will da zögern?

Ja, wer eigentlich …

Stay tuned

4. Medientag: Agile Didaktik – Förderung der Selbstständigkeit im Lernen

„Agile Didaktik – Förderung der Selbstständigkeit im Lernen“ lautet das Thema des diesjährigen vierten Krefelder Medienfachtages. In der Ankündigung heißt es weiter:

(Es) werden Fragestellungen rund um das Thema Agilität in der Bildung und was das für die Unterrichtspraxis bedeutet, diskutiert: Was sind agile Prozesse und welche Bedeutung hat Agilität für Schul- und Unterrichtsentwicklung? Inwieweit fördert agile Didaktik die Selbstständigkeit und das eigenverantwortliche Lernen meiner Schülerinnen und Schüler?

Über 28 Workshop-Angebote stehen den Teilnehmenden aus allen Schulformen und -stufen zur Verfügung und bieten vielfältige Möglichkeiten, die individuelle Expertise rund um digitale Transformationsprozesse zu erweitern bzw. zu vertiefen. Es finden sich iPad-Workshops, Workshops zur Arbeit im inklusiven Unterricht, Logineo LMS und Moodle-Workshops, Workshops zu webbasierten Tools, sowie Workshops zum Thema Medienerziehung. Und auch für den Austausch der Teilnehmenden miteinander ist gesorgt: Es stehen virtuelle Caféräume und Chaträume ein.

Darüber hinaus kommen drei Edutwitterer in einer Keynote zu Wort:

  • Tom Mittelbach mit seiner These: „Die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ist nicht 42. Die Antwort ist Agilität!“
  • Dr. Patrick Bronner mit Impulsen zum Umgang und Einsatz der Endgeräte in einer sich wandelnden Unterrichtspraxis und sich einer daraus ergebenden veränderten Prüfungskultur und
  • ich selbst mit meinem Vortrag zu „Schule 5.0“, in dem ich das Constructive Alignment- Modell vorstelle und unterrichtsnah konkretisiere, fächerübergreifende und jahrgangsübergreifende Modelle vorstelle und dabei auf die Frage eingehe, wie die Lehrkräfte sicherstellen können, dass die Schüler*innen Kompetenzen des 21. Jahrhunderts erwerben.

In einem sich anschließenden Workshop stelle ich dann ein Fortbildungskonzept vor, das den Herausforderungen gerecht werden soll.

Bin schon sehr auf die Veranstaltung gespannt…

… Stay tuned …

Bildnachweis: @https://www.zfdl-krefeld.de/4-medienfachtag-am-04-04-2022/

digital_p3@Realschule

Ich bin ja immer wieder auf der Suche nach konkreter Umsetzungspraxis, die man – gewissermaßen als Blaupause – auch in anderen Regionen benutzen kann. Nadine Emmerling, Referentin für Hauptschulen, Werkrealschulen, Realschulen, Gemeinschaftsschulen im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg hat mich auf ein Projekt aufmerksam gemacht, das unter ihrer Leitung steht.

Ziel laut der Initiator*innen ist es, die Strategie der Kultusministerkonferenz (KMK) „Bildung in der digitalen Welt“ in der Realschule nachhaltig und wissenschaftlich fundiert voranzubringen. Die zentrale Frage dabei ist, wie Realschulen systematisch bei ihrer Arbeit mit digitalen Medien und dem vernetzten Lernen im digitalen Zeitalter begleitet und unterstützt werden können.
Aus diesem Grund wurde eine Steuergruppe mit Expertinnen und Experten aus der Schulpraxis, dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL), dem Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW), dem Landesmedienzentrum, der Wissenschaft und der Schulverwaltung eingerichtet.

Die Steuergruppe sieht vor allem in der systematischen Implementierung regionaler Netzwerke großes Potenzial. Die Projektverantwortlichen luden die Realschulen des Landes ein, sich auf eigene Initiative oder über die Vermittlung der Staatlichen Schulämter in regionaler Nähe zu bewerben. Die Stadt- und Kreismedienzentren wurden über die Regionalstellen des ZSL eingebunden und über die Teilnahme der Realschulen in ihrem Bereich informiert. Die Schulträger wurden ebenfalls direkt von den Schulen über die Bewerbung und gegebenenfalls Teilnahme in Kenntnis gesetzt.

Wer schon einmal einen Einblick in Projektstruktur und erste Ergebnisse werfen will, kann sich hier orientieren:

  • Projektseite digital_p3
  • Mithilfe dieser Handreichung werden Zusammenhänge und Möglichkeiten aufgezeigt, wie digitalisierungsbezogene Schul- und Unterrichtsentwicklung systematisch weiterentwickelt werden kann. Dabei werden gewinnbringende Mikro-Impulse aus den Fortbildungen des Projekts, theoretische Grundlagen, konkrete Ansatzpunkte sowie Praxiserfahrungen der am Projekt beteiligten Realschulen allen Schulen zugänglich gemacht.
  • Informationen zur Schulgewinnung und Projektstruktur

Ich werde immer mal wieder „rüberschauen“ und über den weiteren Projektverlauf informieren.

… Stay tuned …

Bildnachweis: Ausschnitt aus Buchcover Handreichung

 

Digitale Medien in der Lehrer*innenbildung

Zentrum für Lehrer*innenbildung Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Hrsg.): Digitale Medien in der Lehrer*innenbildung – Eine Sammlung von Good-Practice-Beispielen

Aus dem Gruß- und Vorwort:

Nicht erst seit den Erschütterungen des Schulbetriebs durch die Corona Pandemie wurde der Themenbereich Digitalisierung als Querschnittsaufgabe für alle Lehramtsstudiengänge wahrgenommen, denn die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer müssen den Herausforderungen der Digitalisierung und ihrer Verantwortung für die Gestaltung von Bildungs-, Erkenntnis- sowie Lehr- und Lernprozessen gewachsen sein. Die Entwicklung und Förderung digitaler und medienpädagogischer bzw.-didaktischer Kompetenzen und deren Integration in die Fachwissenschaften, die Fachdidaktiken und die Bildungswissenschaften werden damit zu wichtigen universitären Aufgaben.
[…]

Die vorliegende Broschüre [bildet] ein Kaleidoskop vielfältiger Aktivitäten, Projekte und Initiativen für den Einsatz digitaler Medien im Lehramt an der MLU ab. Dabei erhebt die Sammlung ausgewählter Beispiele keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr sollen bereits laufende oder erfolgreich durchgeführte Projekte und innovative digitale Ideen im Bereich der Lehrer*innenbildung sichtbar werden, sich vernetzen und zu weiteren Vorhaben inspirieren.
Die vorgestellten Projekte regen – im besten Fall – neue Ideen und eigene Vorstellungen an, wann, wo und wie digitale Medien in der Lehre sinnvoll und unterstützend eingesetzt werden können. Denn klar ist, es gibt nicht die eine Lösung, das eine Tool oder die perfekte Herangehensweise, sondern viele erfolgskritische Faktoren (Ziele, Zielgruppen, Methoden, Inhalte, Lernwege, Sozialformen, Curricula, Prüfungsformate, Dozentenpräferenzen…) sind in Passung zu bringen, um Lehr-Lern-Szenarien in Schule und Hochschule sinnvoll (digital) zu gestalten.
[…]
Große Potenziale liegen aber nicht nur in der (Weiter-)Entwicklung von Lehr- und Lernszenarien und der Erweiterung von Studienprogrammen, sondern im ganz konkreten Ausprobieren neuer Methoden und Technologien, die u.a. gebündelt in einem technisch und konzeptionell neu ausgestatteten digitalem Lernlabor ein Experimentierfeld finden. Vor diesem Hintergrund sollen alle interessierten Akteure miteinander in Kontakt kommen können, um die Professionalisierung von Lehrenden und Studierenden im Lehramt auch mit Blick auf die digitale Transformation voranzubringen