@Edutwitter: Anregungen – Impulse – Ideen (01-22)

Ferienzeiten dienen zum einen der Erholung und Regeneration, zum anderen der Recherche nach neuen Ideen, nach Impulsen für die eigene Arbeit. Viele engagierte Lehrkräfte lassen das EduTwitter an den Ergebnissen teilhaben. Dieser Artikel ordnet die Beiträge in verschiedene Kategorien. Nicht immer trennscharf, zugegeben. Wer den Rückmeldungen nachfolgen will: Einfach auf das blaue Vorschaubild der Version vom 19:13, 3. Sep. 2016 klicken, man wird dann automatisch auf den Tweet/ Thread geleitet, den man auch ohne Twitteranmeldung lesen kann. Wenngleich ich eine Anmeldung empfehle. Dazu später mehr…

Let’s dive in…

Unterrichts- und Schulentwicklung

@Schulleitung

Agiles Lernen

Lernräume

Fortbildung

(Ergebnis)Sammlungen

Vernetzung

#Edunautika

Newsletter

Schlussbemerkung

Und nun, wie angekündigt noch eine kleine Anleitung, wie man sich den Weg ins EduTwitter bahnen kann. Ganz einfach: Zunächst bei Twitter einen Account organisieren. Dann: Den Betrieb erst einmal beobachten. Die Terminologie erschließt man sich recht schnell, vor allem unter Zuhilfenahme der folgenden Links mit Erläuterungen rund um die Nutzung des Twitternetzwerks:

Ich empfehle darüber hinaus, dem (Maschinen)Account @Bot_TwLehrerZ zu folgen, da er die Tweets der Twitterlehrkräftenetzwerke (#Twitterlehrerzimmer, #twlz, …) in die sogenannte Timeline spült.

In diesem Sinne:

… Stay tuned …

Titelbild von D. Koeltzsch (@dkoeltzsch)

 

@Digitalisierung in Schule

Kürzlich, ein Lehrkräfte(LiV)-Ausbilder in einem Webinar: „Es ist wichtig, dass die Bildungsforschung nicht nur Ergebnisse präsentiert, sondern sich auch um Praxisbeispiele kümmert.“ Ich habe kürzlich Deeper Learning von Prof.’in Sliwka und Jun.-Prof.’in Britta Klopsch mit genau dieser Intention vorgestellt. Heute geht es um ein Buch, das ebenfalls Theorie und Praxis miteinander verbindet. Letzteres hinterlegt als Online-Anhang. Dazu später mehr … 

Und das sagen die Herausgeber*innen …[1]https://www.waxmann.com/?eID=texte&pdf=4469Einleitung.pdf&typ=zusatztext

Spätestens mit dem gesellschaftlichen Wandel zur postmodernen arbeitsteiligen Wissensgesellschaft und mit der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung digitaler Formate ist Digitalisierung aus dem individuellen, organisationalen und gesellschaftlichen Alltag nicht mehr wegzudenken. (…) Dies führt aus Perspektive des Systems Schule u. a. zu den folgenden Fragen: Wie lässt sich das Phänomen Digitalisierung (begrifflich) fassen und weiter ausdifferenzieren? Wie bedingen sich schulische und (gesamt-)gesellschaftliche Digitalisierungsprozesse? Und wie reagiert erziehungswissenschaftliche Forschung auf Chancen und Herausforderungen schulischer Digitalisierung?

(…)

(Die Beiträge sollen) exemplarische Aspekte der wesentlichen Dimensionen digitalisierungsbezogener Schulentwicklung thematisieren (Organisations-, Unterrichts-, Kooperations-, Technologie- und Personalentwicklung), punktuell einen Einblick in die Vielzahl der Digitalisierungen (Prozesse, Effekte) auf verschiedenen schulgestalterischen Ebenen bieten und das Zusammenspiel der verschiedenen Digitalisierungen zwischen Generalisierung und Präzisierung einerseits sowie in ihrem gesellschaftlichen Kontext andererseits zeigen.

(…)

Neben wissenschaftlichen Beiträgen zu den theoretischen und empirischen Grundlagen von Digitalisierungen kommentieren daher Fokusbeiträge (verfasst von Expert*innen anderer Fachdisziplinen sowie von aktiven Lehrkräften) Digitalisierungen in Schulen auch aus praxisnaher Perspektive. Ergänzt wird der Band um einen Online-Anhang mit digitalem Praxismaterial, auf das in einzelnen Beiträgen verwiesen wird. Ein entsprechender Hinweis auf den Link zum Anhang (https://www.waxmann.com/buch4469) findet sich jeweils oberhalb der betreffenden Beiträge. Darüber hinaus bieten Hinweise auf weiterführende Beiträge im Band am Ende jedes Artikels Orientierung

(…)

Versteht man Digitalisierung im Sinne einer vierten gesamtgesellschaftlichen Revolution, so liegen nachhaltige schulische Digitalisierungsprozesse nicht nur in der Verantwortung singulärer Akteur*innen. Wir hoffen, dass die Beiträge dieses Bandes in ihrer Verortung zwischen Systematisierung und Partikularisierung einerseits und zwischen schulbezogenen Digitalisierungen und gesellschaftsbezogenen Digitalisierungen andererseits exemplarische Einblicke in diesbezüglich genutzte wie ungenutzte Potenziale geben können. Zugleich zeigt sich mit Blick auf aktuelle technologische (Weiter-)Entwicklungen, wie schwierig es für schulische Digitalisierungen ist, mit der Akzeleration gesellschaftlicher Digitalisierungen Schritt zu halten, etwa hinsichtlich der Folgen und Implikationen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz (KI). Somit gilt es nicht nur, den erziehungswissenschaftlichen Fachdiskurs diesbezüglich voranzutreiben und die Innovationspotenziale, die den einzelnen Digitalisierungsphänomenen inhärent sind, produktiv zu nutzen, sondern auch Bildungsinstitutionen auf zukünftige, noch nicht vorhersehbare technologische Entwicklungen vorzubereiten.

… verbunden mit der folgenden Übersicht über die verlinkten digitalen Angebote:

 

  • R. Fehrmann: Digitale Kompetenz für das Leben in einer digitalisierten Welt – Eine begriffstheoretische Fundierung und multidimensionale Konzeptualisierung, konkretisiert an der unterrichtspraktischen Produktion von Erklärvideos.
    • – Leitfaden für die Erstellung von Erklärvideos
    • – Handreichungen und Checklisten verschiedener Anbieter für die Videoproduktion
  • L. Furmanek: Schulisches Lernen mit digitalen Pinnwänden Zeitgemäße Bildung zur Förderung digitaler Kompetenz.
    • – Digitale Pinnwände: Padlet, Taskcards, Trello
  • D. May, S. Grosser & R. Fehrmann: Coding und Robotik als Elemente einer zukunftsorientierten digitalen BildungWie der Einsatz von Lernrobotern im Unterricht dazu beitragen kann, ein Verständnis für die Funktionsweise und ein Bewusstsein für die Wirkung von Algorithmen anzuregen.
    • – Einführungsvideo zur Nutzung des Lernroboters Ozobot
    • – Einführungs-E-Book zur Ozobot-Nutzung
    • – Unterrichtsmaterial der Universität Münster
    • – Beispiel-Video zum Thema „Märchen”
    • – Handreichungen zum Themengebiet „Making / Maker Education”
  • T. Lindström & U. Schweckendiek: Schulentwicklung und Unterrichtspraxis unter Bedingungen des digitalen Wandels.
    • – Handreichung „Medienkonzeptionelle Arbeit an Schulen
  • F. Seever & P. Schacher: Potenziale zum Erwerb von digitalisierungsbezogenen Kompetenzen durch den Einsatz digitaler Medien im Geschichtsunterricht.
    • – Digitale Sammlung der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek
    • – Digitale Sammlung des Münchener Digitalisierungszentrums
    • – Segu Geschichte – Lernplattform für offenen Geschichtsunterricht
    • – Etherpad / ZumPad
    • – WDR History App
    • – @eva.stories Instagram-Kanal
  • Janßen: Digitalisierung nutzen Grundlagen zur schulischen Förderung des Gründergeists.
    • – Konzeptpapier „Anregungen zur unterrichtlichen Nutzung des Business Models Canvas unter Einbezug digitaler Tools”.

So viel aus Sicht der Herausgeber*innen. Eigentlich verbietet sich ein Hervorheben der Beiträge. Gleichwohl lässt sich anhand der eigenen Perspektive überprüfen, ob tatsächlich Theorie und Praxis in geeignetem Maße abgebildet wurde. Was also hat mich selbst interessiert und angesprochen?

  • Die Theorie „Computional Thinking als Methodik des Problemlösens“ mit der Praxis „…konkreter Lernsetting mithilfe von Lernrobortern“
  • Die Theorie „Schulentwicklung und Unterrichtspraxis unter Bedingungen des digitalen Wandels“ mit den Praxisschwerpunkten „Kerngeschäft: Unterrichtsentwicklung“ und „Eine gemeinsame Aufgabe! Kooperationsentwicklung”
  • Die Theorie „Die Rolle der Schule für medienbezogene Sozialisations- und Bildungsprozesse der heranwachsenden Generation in Zeiten des digitalen Wandels“ mit den Ausführungen zur „Schule als Sozialinstanz im digitalen Wandel“ und „Medienbildung und Medienerziehung aus medienpädagogischer Perspektive“
  • Die Theorie „Schulisches Lernen mit digitalen Pinnwänden“ mit den Zielperspektiven
    • – Vermittlung von Fertigkeiten im Umgang mit digitalen Medien
    • – Nutzung digitaler Medien zur Verbesserung des fachlichen Lernens
    • – Entwicklung und Umsetzung neuer Formen des Unterrichtens mit digitalen Medien sowie
    • – Förderung des Medienkompetenzerwerbs und des Erwerbs ,digitaler’ Kompetenz als fächerübergreifende Querschnittsaufgabe.
  • Die Theorie „Schulleitungsfortbildung in einer digital durchdrungenen Gesellschaft“ mit dem „explorativen Blick auf Angebote und Inhalte“

dargestellt und verbunden zu sehen.

    Zum letzten Spiegelpunkt habe ich übrigens kürzlich einen Tweet ergänzt:

    Wer sich für Schul- und Unterrichtsentwicklung interessiert, wird in diesem Buch eine Vielzahl von Anregungen finden, nicht zuletzt auch durch den oben vorgestellten Online-Anhang. Darüber hinaus gefällt mir, dass die Autor*innen neben einer umfangreichen Literaturliste auf vertiefende Beiträge innerhalb dieser Publikation verwiesen haben. Auch, weil es für noch mehr Unterfütterung der Theorieansätze mit Praxisbeispielen und hier und da für einen Perspektivwechsel sorgt …

    … Stay tuned …

    Future skills

    Wie häufig wird gefordert, Schule möge auf die Digitalisierung im Berufsleben vorbereiten. Viele Universitäten und Ausbildungsbetriebe wünschen sich Schülerinnen und Schüler, die jenseits der Fachkompetenz vor allem überfachliche Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen mitbringen mögen. Bevor ich auf zwei neue Future Skills Publikationen eingehe, will ich mit einem Rückblick auf in diesem Zusammenhang veröffentlichte „Vorarbeiten“ eingehen.

    Lernkompass 2030

    Vor zwei Jahren ist die deutsche Übersetzung des OECD Learning Compass 2030 erschienen. In dem Vorwort von Andreas Schleicher, Direktor des Direktorats für Bildung und Kompetenzen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heißt es[1]https://www.joeran.de/wp-content/dox/sites/10/OECD-Lernkompass-2030-Web.pdf:

    In der Zukunft wird es darum gehen, die künstliche Intelligenz von Computern mit den kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten und Werten von Menschen zu verknüpfen. Es werden unsere Vorstellungskraft, unser Bewusstsein und unser Verantwortungsgefühl sein, die uns helfen werden, Technologien zu nutzen, um die Welt zum Besseren zu gestalten. Erfolg in der Bildung heißt heute nicht nur Sprache, Mathematik oder Geschichte, sondern ebenso Identität, Handlungsfähigkeit und Sinnhaftigkeit. Es geht darum, Neugier und Wissensdurst zu wecken, den Intellekt für Neues zu öffnen.

    (…)

    Die wachsende Komplexität des modernen Lebens – für den Einzelnen und für Gemeinschaften – bedeutet, dass auch die Lösungen für unsere Probleme komplexer sein werden. In einer strukturell unausgeglichenen Welt ist es notwendig, unterschiedliche Perspektiven und Interessen miteinander in Einklang zu bringen. In einem lokalen Umfeld zu agieren und dabei gleichzeitig die möglichen, auch globalen Auswirkungen zu antizipieren und zu berücksichtigen, bedeutet, dass wir mit Spannungsfeldern und Dilemmata umgehen müssen.
    (…)

    Kreativität in der Lösung von Problemen erfordert, dass wir die Folgen unseres Handelns mit Verantwortungsbewusstsein sowie mit moralischer und intellektueller Reife bedenken, sodass wir unser Handeln im Lichte von Erfahrungen sowie persönlichen und gesellschaftlichen Zielen reflektieren können. Bei der Wahrnehmung und Bewertung dessen, was in einer bestimmten Situation richtig oder falsch, gut oder schlecht ist, geht es.

    Wie sollen wir unsere Kinder auf morgen vorbereiten? Welches Wissen werden sie brauchen in einer Welt, die angesichts der rasanten technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre weniger vorhersehbar denn je ist? Mit dem „Lernkompass 2030“ (engl.: „Learning Compass 2030“) will die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Antworten auf diese Fragen geben. Das Rahmenkonzept, das von den Mitgliedsstaaten gemeinschaftlich erarbeitet und im Mai 2019 in Vancouver vorgestellt wurde, fasst die Kompetenzen zusammen, die junge Menschen für eine erfolgreiche Entwicklung benötigen. Im Zentrum steht der Gedanke, dass Schülerinnen und Schüler mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Durch die Stärkung ihrer Handlungskompetenz werden sie befähigt, ihr eigenes Leben und die Welt um sie herum positiv zu beeinflussen.

    Das E-Book liegt in einer Übersetzung von Jöran Muuß-Merholz vor. In Ergänzung dazu interessiert vielleicht das Interview von fobizz mit Jöran Muuß-Merholz.

    Future Skills (2020): Lernen der Zukunft

     

    Der Titel des vor Ihnen liegenden Buches reibt sich. Er nervt! So beginnt der Autor sein Vorwort. Und weiter: Zumindest aus bildungswissenschaflicher Sicht ist die Beschäftigung mit dem Thema Future Skills zunächst ein Paradoxon. Skills, eigentlich also Fähigkeiten und Kompetenzen, sind schon per se auf die Bewältigung zukünftiger Herausforderung gerichtet. Wieso also solch einen Zukunftsbegriff noch mal mit dem Zusatz „Future“ imprägnieren? (…) Derzeit entstehen überall auf der Welt Future Skill Initiativen, auf die im Buch noch im Detail eingegangen wird. Sektorale, für Schulen oder Hochschulen, nationale (bspw. Future Skills Canada) und internationale, etwa von der OECD, der EU oder dem World Economic Forum. Alles Ansätze, die sich damit auseinandersetzen, die gewandelten gesellschaftlichen Bedingungen für Arbeit, Bildung und Leben zu reflektieren und wichtige Future Skills zu analysieren. Viele dieser Konzepte setzen Schwerpunkte dabei auf die Frage, welche Fähigkeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer digitalisierten Welt brauchen.(…)

    Das Buch erarbeitet ein Modell, welches beschreibt, welche Strukturen und Wandlungsprozesse Future Skills zugrunde liegen und arbeitet drei Grundkomponenten heraus, die für die Handlungsfähigkeit in zukünftig hoch emergenten Kontexten eine wichtige Rolle spielen. Das so entstehende Triple Helix-Modell ist in der Lage, die für Future Skills wichtigen Bereiche abzubilden und ist insofern erklärungsmächtiger, als die bislang zu diesem Thema vorgelegten einfachen Listen.
    „Future Skills – Zukunft des Lernens – Zukunft der Hochschulen“ ist das erste Buch zum Thema Future Skills, ist zugleich die erste empirische Arbeit bildungswissenschaflicher Ausrichtung zum Thema und umfasst nicht nur die Frage nach Future Skills für den Arbeitsmarkt, sondern auch nach Future Skills für grundsätzliche Handlungsfähigkeit.

    Das Buch eignet sich meines Erachtens auch als Anregung/ Blaupause für Veränderungen unseres Schulsystems unterrichtlich wie organisatorisch. Besonders angetan bin ich von dem Kapitel A.3 Future Skills (= Kompetenzen) für die Welt von morgen und  C3.2 Vier Szenarien für die Hochschule der Zukunft. Hier war ich mehrfach versucht, Hochschule mit Schule zu ersetzen. Das Buch kann sich vor allem dann als Hilfe erweisen, wenn eine Schule eine Leitbildentwicklung vorbereitet. Das Buch ist Teil des Projekts NextSkills Initiative, das sich nicht nur auf die Kompetenzen bezieht, die Studierende in der zukünftigen Arbeitswelt brauchen werden. Es geht auch darum, wie sich die Hochschulen an den stetigen Wandel anpassen müssen.

     

    Future Skills (2022): Zukunftskompetenzen in der akademischen Bildung

    Der Autor Ulf-Daniel Ehlers hat eine neue Publikation nachgeschoben. Sie leitet aus der Kompetenzforschung 17 Future Skills ab [2]https://nextskills.org/wp-content/uploads/2022/05/2022-01-Future-Skills-Bildungsforschung_Vs_final.pdf, S. 24 f.:

     

    Der Autor stellt in seinem Fazit heraus, dass der Begriff Future Skills

    kein klar abgegrenztes und wohl definiertes Kompetenzkonzept bezeichnet, sondern vielmehr eine Vielzahl an Eckpunkten und Vorstellungen beschreibt, welche Fähigkeiten Menschen für eine positive Gestaltung der Zukunft ihrer jeweiligen Organisationen oder ihres Lebens besitzen müssten. Teilweise werden in den jeweiligen Ansätzen auch nur Themenstellungen oder Themenwörter anstelle von Kompetenzen genannt.

    (…)

    Fast alle Beiträge zum Thema Future Skills lassen eine klare (bildungs)theoretische Fundierung davon, was Kompetenz oder Kompetenzerwerb ausmacht vermissen, was eine Nutzung für Bildungsprozesse schwierig, beliebig oder unmöglich macht. Derzeit weist lediglich der von uns entwickelte Ansatz [3]https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/37362/2020_Book_FutureSkills.pdf eine explizite handlungs- und bildungstheoretische Fundierung auf. Viele der als Future Skills gelisteten Themen oder Kompetenzen sind ohne zugrundeliegende Persönlichkeits- und Lerntheorien ausgewiesen und beziehen sich ausschließlich auf den kognitiven Bereich.

    Neben Ulf -Daniel Ehlers befassen sich noch weitere Hochschuldidatiker*innen und Unternehmen mit diesen Fragetsellungen:

    Apropos Peter Spiegel: Nach so viel Theorie soll nun ein Praxisband von ihm und anderen vorgestellt werden:
     

    Future Skills: DAS PRAXISBUCH FÜR ZUKUNFTSGESTALTER

    Ich habe den Beitrag mit Andreas Schleicher begonnen und greife gerne Auszüge aus seinem Vorwort mit dem Untertitel „was dieses Buch einzigartig macht…“ auf:

    Wir leben in einer Welt, in der Dinge, die leicht zu lernen und zu testen sind, auch leicht digitalisiert und automatisiert werden können. Die Welt belohnt uns nicht mehr allein für das, was wir wissen – Google weiß ja schon alles -, sondern für das, was wir mit dem was wir wissen tun können. In der Zukunft geht es darum, die künstliche Intelligenz von Computern mit den kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten und Werten von Menschen zu verknüpfen. Erfolg in der Bildung heißt heute nicht nur Sprache, Mathematik oder Geschichte, sondern ebenso Identität, Handlungsfähigkeit und Sinnhaftigkeit. Es geht darum, Neugier und Wissensdurst zu wecken – den Intellekt für Neues zu öffnen, es geht um Mitgefühl – die Herzen zu öffnen, und es geht um Mut, die Fähigkeit unsere kognitiven, sozialen und emotionalen Ressourcen zu mobilisieren. Das werden auch unsere besten Waffen gegen die größten Bedrohungen unserer Zeit sein – Ignoranz – der verschlossene Verstand, Hass – das verschlossene Herz, und Angst – der Feind von Handlungsfähigkeit.(…)

    Das führt uns zu der schwierigsten Frage in der Bildung: Es geht um die Wertorientierung von Bildungsprozessen. Werte waren schon immer von zentraler Bedeutung für die Bildung, aber es ist an der Zeit, dass sie von impliziten Bestrebungen zu expliziten Bildungszielen und -praktiken werden, damit sie uns helfen, uns von situationsbedingten Wertesystemen – d.h. “Ich tue, was immer eine Situation mir erlaubt” – zu nachhaltigen Wertesystemen zu entwickeln, die Vertrauen und soziale Bindungen stärken. Wo Bildung den Menschen kein solides Fundament bietet, werden viele versuchen, Mauern zu errichten, egal wie selbstzerstörerisch das ist.

    Die Quintessenz ist, dass wir, wenn wir der technologischen Entwicklung voraus sein wollen, die Qualitäten finden und verfeinern müssen, die einzigartig für uns Menschen sind, und die Fähigkeiten, die wir in unseren Computern geschaffen haben, ergänzen und nicht mit ihnen konkurrieren. Die Aufgabe von Bildung ist, Menschen erster Klasse zu entwickeln, keine Roboter zweiter Klasse. Future Skills hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Zukunftskompetenzen systematisch zu erarbeiten. Was dieses Buch aber einzigartig macht, ist die Qualität eines echten Praxisbuchs. Damit können Lernende und Lehrende zu Entfaltenden der eigenen Potenziale und zu Zukunftsgestaltenden werden. Für und bei sich selbst. In Teams, in Organisationen, in der Gesellschaft.

    Thomas Sattelberger (STS BMBF) stellt in seinem Vorwort einen Bezug zur Schule so her:

    Leistungsstandards und Abschlüsse werden uns noch lange Zeit begleiten. Gleichzeitig müssen wir uns bewusst machen, was Schule eigentlich sein soll: ein Biotop für die Unterschiedlichkeit von Begabung! Wer über Future Skills spricht, darf nicht vergessen: Skills entstehen nie im luftleeren Raum. Ihr Erwerb ist eingebettet in ein soziales Interaktionsgefüge: Zum einen in den Entwicklungsprozess der Institution Schule selbst. Zum anderen in Entwicklung, Teilhabe und Teilnahme sowie Ansprüche diverser Stakeholder außerhalb von Schulgebäuden und Lernorten. (…) Es braucht die Propheten der Zukunft, die Überzeugungstäter in der Bildung, die Prototypen-Pioniere neuer Bildungswelten. Und die Autorinnen und Autoren dieses Sammelwerks gehören alle dazu.

    Mein Fazit
    Mir gefällt das Buch. Es ist kein Lehrbuch und lädt zum Entdecken ein. Man muss das Buch nicht „von vorne bis hinten“ lesen. Im Gegenteil: Ich habe mich über die Überschriften führen lassen. Man schnappt in den sozialen Netzwerken ja das eine oder andere Stichwort auf: „New Work“, „Change“, „Resilienz“, „Design Thinking“, „Frei-Day“, „Storytelling“ u. v. m.

    In diesem Praxisband gelingt den Autor*innen ein Einstieg in die jeweiligen Themenschwerpunkte. Anschauliche Abbildungen erleichtern das Verständnis. Hilfreich und praktisch sind die in fast jedem Beitrag vorgestellten Tools. Wer sich in die in sich abgeschlossenen Schwerpunkte weiter reinfuchsen will, findet eine umfangreiche Literaturliste vor.

    Somit eignet sich das Buch sowohl für einen Einstieg wie auch für eine Vertiefung in die Vermittlung von Future Skills. Und wer von diesen Kompetenzen noch nie etwas gehört hat, bekommt nach der Lektüre eine erste Ahnung…

    … Stay tuned …

    Bildnachweis: Gerd Altmann @pixabay

    References

    Fortbildung: Zur Nachahmung empfohlen!

    Ich habe kürzlich über meinen Workshop @4.Medienfachtag berichtet. Die anwesenden Schulleitungen und Steuergruppenmitglieder wünschten sich eine vom Land organisierte und orchestrierte Fortbildungsinitiative. Für die Schulen in Baden-Württemberg eröffnet sich aktuell eine Möglichkeit. Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg hat ein Projekt Referenzschulen BW entwickelt und will damit Schulen im Bereich der digitalen Transformation unterstützen. Am Projekt beteiligte Schulen erhalten Fortbildungen durch das LMZ / den MZV und werden zu Multiplikatoren für weitere Schulen, indem sie beispielsweise Einblicke in ihre Arbeitspraxis geben oder den themenbezogenen Austausch zur Medienbildung und zum Medieneinsatz voranbringen.

    Dieses kurze Video beschreibt kurz und knackig die Ziele der Initiatoren:

     

     

     

     

     

     

    Das Landesmedienzentrum lädt aktuell seine Landesschulen ein, sich als Referenzschule zu bewerben und erwartet die Bereitschaft,

    • sich im Bereich der digitalen Transformation weiterzuentwickeln und
    • sich mit anderen Schulen auszutauschen und sich zu öffnen.

    Darüber hinaus bewirbt das LMZ die Schulen mit:

    (…)

    landesweiten Vernetzungsveranstaltungen zu Beginn, in der Mitte und zum Abschluss des Projekts, bei denen beteiligte Schulen nicht nur Inputs bekommen, sondern auch ihre gegangenen Schritte und erreichten Ziele präsentieren können. Die letzte Vernetzungsveranstaltung ist dabei als für alle Schulen des Landes offene Veranstaltung geplant.

    Die Schulen im Referenzschulnetzwerk werden gleichzeitig motiviert und unterstützt, Öffnungsveranstaltungen durchzuführen. Dies können für andere Schulen geöffnete Fortbildungstage sein oder die aktive Teilnahme und Präsentation während Veranstaltungen des örtlichen Medienzentrums oder des Landesmedienzentrums (z.B. Medienkompetenztage, digital@regional usw.)

    Das Referenzschulnetzwerk eröffnet Perspektiven und fördert den Austausch.

    Kurz: „Lernen mit und von anderen Schulen“. 

    Das Projekt unterstützt Schulen bei:

    • der Förderung der Medienkompetenz und Qualifikation von Lehrkräften
    • der schulische Medienentwicklung
    • der Öffnung und Vernetzung mit anderen Schulen.

    Jo, viel Erfolg möchte man allen Beteiligten zurufen und allen außerhalb Baden-Württembergs: Zur Nachahmung empfohlen

    … Stay tuned …

    Bildnachweis: Logo Referenzschulen BW @Landesmedienzentrum BW

     

     

     

    Fortbildung: Woher nehmen, wenn nicht stehlen …

    Anfang April hat das Zentrum für digitale Lernwelten den 4. Medienfachtag abgehalten. Es wurden Fragestellungen rund um das Thema Agilität in der Bildung und was das für die Unterrichtspraxis bedeutet, diskutiert. Über 28 Workshop-Angebote standen den Teilnehmenden aus allen Schulformen und -stufen zur Verfügung und boten vielfältige Möglichkeiten, die individuelle Expertise rund um digitale Transformationsprozesse zu erweitern bzw. zu vertiefen. Ich selbst war mit einem Vortrag zu „Schule 5.0“ dabei, in dem ich das Constructive Alignmentmodell vorgestellt und unterrichtsnah konkretisiert habe. Es ging darüber hinaus um fächer-, klassen- und jahrgangsübergreifende Unterrichtsprojekte und Schulangebote und im anschließenden Workshop um die Frage, wie ein geeignetes Fortbildungskonzept aussehen könne.

    Mittlerweile habe ich das Feedback ausgewertet. Übereinstimmender Tenor: Das Kultusministerium möge

    • mit einer landesweiten Initiative aktiv werden und
    • ein Arbeitszeitmodell einführen, das die schulinterne Fortbildung vor Ort ermöglicht.

    Auf diese beiden Forderungen gehe ich in diesem Beitrag ein.

    Landesinitiative a lá Hessen (2007 - 2014)

    Im Rahmen des hessischen Unterstützungsprogramms „Kompetenzorientiert unterrichten – Bildungsstandards nutzen“ wurden Lehrkräfte über einen längeren Zeitraum fortgebildet. Es gab vier Teilprojekte „Kompetenzorientiert unterrichten“ in

    • Mathematik und Naturwissenschaften (KUMN),
    • Neue Sprachen,
    • Deutsch und in der
    • Grundschule.

    Ziel war, dem pädagogischen Personal Wege aufzuzeigen, wie das landesweit gültige Kerncurriculum zu einem schulinternen Curriculum weiterentwickelt werden kann. Das Bild

     

     

    deutet an, wie wir seinerzeit in Hessen vorgegangen sind:

    • Mit einem zweijährigen, von Expert*innen getragenen Fortbildungsangebot,
    • mit einer professionellen Prozessbegleitung,
    • mit der Organisation von regionalem Austausch (Schulmessen) und
    • mit Publikationen analog (Zeitschrift BildungBewegt) und digital (kou-hessen).

    Ich habe auf dem Workshop eine Adaption mit Fokus auf Schule in der digitalen Welt vorgestellt. Auch mit Überlegungen, wie eine Schulleitung, eine Steuergruppe agieren kann, wenn (noch) keine Landesinitiative angeboten wird. Nachzulesen in meinem Band 4 bzw. in einer videografierten Variante.

    Die Teilnehmer*innen des Workshops bestätigten in einer ersten Stellungnahme und im anschließenden Feedback die Sinnhaftigkeit eines solchen Angebots. Und forderten darüber hinaus eine Entlastung bei der Organisation und Durchführung dieser Fortbildungsinitiative.

     

    Entlastung durch „Dreimal fünf Prozent“ ...

    Ich hatte bisher immer auf die Einführung eines Arbeitszeitmodell gesetzt, das – wie in Betrieben und Unternehmen üblich – Fort- und Weiterbildung als zeitlich zu berücksichtigenden Bestandteil der eigenen Professionalisierung berücksichtigt. Das scheint aber nicht umsetzbar zu sein, warum auch immer. Vielleicht (?) die Vorschläge von Prof. Bewyl von der FH NW Schweiz, die er kürzlich in einem ZEIT Beitrag veröffentlicht hat[1]https://www.zeit.de/2022/16/schulbildung-hattie-studie-lehrkraefte-evaluation-lernerfolg:

    Ich nenne ihn “Dreimal fünf Prozent”:

    • Wir senken das Unterrichtsdeputat der Lehrkräfte um fünf Prozent, das setzt bis zu 80 Arbeitsstunden pro Jahr frei für kooperativ-datenbasierte Unterrichtsentwicklung.
    • Wir reduzieren die Unterrichtszeit, in der die ganze Klasse mit der Lehrkraft zusammen ist, um fünf Prozent. Die Schüler arbeiten selbstständig – je nach Alter und Fähigkeit in der Schule oder zu Hause. Damit ist die Deputatsreduktion kostenneutral.
    • steigt der Schuletat dauerhaft um real fünf Prozent.

    Diese Zusatzmittel werden investiert, um bei der circa fünfprozentigen zeitlichen Reduktion der „klassischen Schule“ die Wirksamkeit des Unterrichts zu steigern – und zwar durch Lehr-und Lernmethoden, die sich in Hatties Metastudien als hochwirksam erwiesen haben. Dazu gehören auch videobasierte Instruktionen, die mit schnellen (notenfreien) Tests und effektivem Lernfeedback kombiniert werden. Oder selbstgesteuerte Arbeit in leistungsähnlichen Gruppen, unterstützt durch fortgeschrittene Schüler. So kann erreicht werden, dass die schulischen Leistungen das heutige Niveau übertreffen.
     
    Was in Unternehmen und Hochschulen zunehmend als der Goldstandard effektiven Lernens gilt, kann sich damit auch in Schulen etablieren: Gelernt wird vermehrt selbstgesteuert und im Team. Unterstützt wird dies durch externe Experten wie durch spezialisierte Lehrkräfte: Denkbar wären die Expertin fürs Digitale, der Fachmann für die Evaluation, die Spezialistin für den klassenübergreifenden Fachunterricht. Gemeinsam verantworten die Lehrkräfte, welcher Stoff analog und welcher digital vermittelt wird, wann der Unterricht innerhalb und wann außerhalb des Klassenverbands stattfindet.
     
    All das wird nicht nur die Lernergebnisse verbessern, sondern auch den Lehrerberuf attraktiver machen. So viele Gewinnchancen – wer will da zögern?

    Ja, wer eigentlich …

    Stay tuned