Neu denken: Wenn Schule auf Ideen bringt

Haben Sie schon einmal ein Buch in der Hand gehabt, das Ihnen mehrere Cover anbietet? Oder besser noch: Sie einlädt, ein eigenes Cover zu kreieren? Und da fällt schon DAS Stichwort für die Kennzeichnung dieses außergewöhnlichen und – das sei gleich vorweg geschrieben – empfehlenswerten Buches: Kreativität.

Außergewöhnlich nicht nur wegen der Cover (dazu am Ende noch mehr). Außergewöhnlich auch wegen der Autor*innen. Sie kommen aus der Kreativitätsszene, weltweit. Die Stuttgarter Agentur Sommer + Sommer hat sich beginnend vor rund zehn Jahren intensiv mit der Frage auseinandergesetzt: Wie bringt man Kreativität ins Bildungsystem? Dazu haben Leonard Sommer und die Berlin School of Creative Leadership mehr als 100 Kreative und Vordenker in 35 Ländern befragt. Das Ziel: Inspirationen für neue Rahmenbedingungen an Schulen im 21. Jahrhundert zu liefern. Dazu gehört das Projekt “Classroom Think Tank“. Sommer: Mit dem Projekt ‘Classroom Think Tank’ wollen wir interessante Inspirationen von Persönlichkeiten aus der Kreativwirtschaft sammeln und überprüfen, wie sie auch in der Schule zum Einsatz kommen könnten.

In einem Workshop wurden Ideen gesucht, die Lernumgebungen schaffen, in der Kreativität gedeihen kann; Wege aufzeigen, die angeborene Neugier aller Lernenden in Lerneifer umsetzen und sie zum Entdecken einladen helfen. Wie eine neue Lehrkultur und ein neues Lehrerbild dazu beitragen können, waren ebenfalls Gegenstand des Workshops. Es wurden mehrere Gruppen gebildet, in denen eine Vielzahl von Ideenansätzen diskutiert wurden. Die Zusammenfassungen deuten die Zielrichtungen der publizierten Impulse an: [1]WENN SCHULE AUF IDEEN BRINGT, S. 42 ff. https://www.wenn-schule-auf-ideen-bringt.de/

Gruppe 1: Perspektive Lehrende

Wir sind uns alle einig: Solange ein Kind noch Kind sein darf, ist es kreativ. Sobald es aber das System durchlaufen hat, wird es weniger kreativ sein. Wir sollten also auf uns selbst hören: Jeder von uns hat ein Kind in sich, und wir sollten die Möglichkeit schaffen, auf diese innere Kinderstimme zu hören. Lasst uns albern sein, lasst uns auf dem Spielplatz spielen, lasst uns malen wie Kinder – und zwar regelmäßig. Es wird hoffentlich dazu beitragen, das Kind in uns zum Leuchten zu bringen – selbst dann, wenn wir erwachsen geworden sind.

Wir haben diskutiert, wie Kreativität in Schulen gefördert werden kann. Zufälligerweise sind alle Mitstreiter in dieser Gruppe Lehrer. Einer der Aspekte ist sicher, dass es in der Schule klare Beschränkungen durch den Lehrplan gibt; man folgt dann eben den Standards. Das ist unserer Meinung nach das Hauptproblem: Es macht Schule weniger kreativ. Unsere Lösung für kreativere Schulen sind kontinuierliche Coachings für Lehrer, die in einem kreativen Umfeld außerhalb der Schule durchgeführt werden – in einer Kreativ-Agentur, einer Plattenfirma, einer Medienproduktion usw. So könnten sich Lehrer mitunter als Teil der Kreativbranche fühlen und dies regelmäßig immer wieder erleben.“

Gruppe 2: Kritisches Denken

Unsere Gruppe hat zwei wichtige Punkte herausgearbeitet. Einer davon ist, dass es in der Schule zwar darum geht, eine Lösung für ein Problem zu finden, aber es wird nie gelehrt, das Problem richtig zu verstehen. Deshalb sollte schon für die jüngeren Jahrgänge in den Lehrplan mit aufgenommen werden, dass Kinder das Problem selbst finden und die kreative Fähigkeit der Problemdefinition entwickeln: Schüler(*innen) müssen lernen, wie ein Problem nach der Identifizierung auf verschiedene Weise kreativ gelöst werden kann. Es könnte also Teil des Lehrplans werden, dass es nicht für jedes Problem eine Standardlösung gibt, sondern dass man ein Problem auf verschiedenste Arten lösen kann.

Gruppe 3: Fehlerkultur, Projektarbeit

Die erste Idee, die wie hatten, war: ,Warum führen wir nicht eine Belohnung für Fehler ein, um Kinder zu ermutigen, Fehler zu machen oder weiterhin demgegenüber offen zu sein?’. Als Kreative haben wir gelernt, dass Fehler zu machen etwas ist, das – anders als richtige Antworten zu belohnen – unserer Kreativ- und Innovationsindustrie wirklich hilft. Ergänzend haben wir folgende Frage diskutiert: ,Wie wäre es, wenn die Klassen nicht nach dem Alter der Schüler, sondern nach dem Entwicklungsstand bestimmter Fähigkeiten eingeteilt würden?’. Sie würden zwar in Klassen mit unterschiedlichen Altern eingeteilt, aber es wäre fördernder.

Außerdem haben wir über Co-Kreation gesprochen. Warum sollten Kinder nicht gemeinsam an Projekten arbeiten, auf die sie wirklich Lust haben, und sich dazu zusammenschließen? Wir sollten dabei den Kindern mehr Zeit geben. Zudem könnten wir kreative Köpfe aus der Musik- und Filmindustrie usw. in die Klassenzimmer einladen. Unserer Meinung nach wäre es interessant, Diskussionen und Interaktionen zwischen Kindern zu fördern, so dass der Lehrer mehr zum Moderator wird, anstatt zum Frontal-Sprecher.

Die letzte Idee war, dass wir einen Weg finden sollten, den Lehrern mehr Zeit zu geben, um ein besseres individuelles Profil der Kinder zu erstellen und zu verstehen, worin sie wirklich gut sind.

Gruppe 4: Elterneinbindung

Im gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang ist es wichtig, dass Kreativität auch zu Hause in den Mittelpunkt gestellt wird. Eltern von heute verbringen oft die meiste Zeit mit den eigenen Kindern. Unserer Meinung nach sind daher nicht nur die Lehrer dafür verantwortlich – auch die Eltern sollten lernen, wie sie eine kreative Umgebung im Zuhause schaffen können. Wir müssen einen Weg finden, der die Eltern einbezieht. Nur so können wir sicherstellen, dass das, was in der Schule angestoßen wurde, auch zu Hause weitergeführt wird.

Gruppe 5: Notengebung

Hallo, wir haben in unserer Gruppe Leute aus Weißrussland, Dänemark, Deutschland und Schweden. Und worüber haben wir in unserer Gruppe gesprochen? Das Problem der Zensuren. Wenn wir schon Noten haben, dann sollten sie für Kreativität, Teamarbeit, Fehler machen, Fragen stellen usw. vergeben werden. Damit jeder schon in jungen Jahren kreativ sein kann – und dafür belohnt wird. Ich denke, man sollte dies daher in die Notengebung einfließen lassen. Wovon wir es auch hatten: Misserfolge feiern, sie belohnen. Wir würden uns mehr Aufgaben wünschen, die nicht nur eine einzige richtige Antwort kennen. Man würde in der Schule demnach in Workshops arbeiten und beim gemeinsamen Lernen erkennen, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, um ein Problem zu lösen.

Alle Lehrer müssten in puncto Kreativität stets auf den neuesten Stand gebracht werden. Und ich denke, man sollte hier Methoden von Unternehmen der Kreativbranche in den Unterricht übernehmen.

Gruppe 6: Game based learning

Unser Team kommt aus Deutschland, Guatemala, Rumänien und den USA. Wir waren der Meinung, dass spielerisches Lernen ein großartiger Weg wäre, um die Kreativität im Klassenzimmer zu fördern und das Lernen der Zukunft zu verbessern – sowohl auf Schüler- als auch auf Lehrerseite. Wie wir alle wissen, hat sich das Alter der Gamer mittlerweile schon auf bis zu 60 Jahre erhöht, und es gibt genauso viele Frauen wie Männer darunter. Wir glauben, dass die Schaffung neuer spielebasierter Bildungsinhalte die Kinder ähnlich fesseln wird wie Computer Games. Wir denken, dass diese Art des Lernens den Schülern auch helfen würde, belastbarer zu sein, weil sie keine Angst vor Fehlern oder Misserfolgen produziert. Wer spielt, wird es weiter versuchen, bis er den nächsten Level erreicht. Es geht um Durchhaltevermögen, darum, wie sehr Du bereit bist, es weiter zu versuchen und nicht aufzugeben. Ich denke, das ist eine Sache, die einem Spiel generell zugrunde liegt. Wer verliert, kommt zurück und versucht es wieder und wieder, bis er die nächste Stufe erreicht hat. Was haltet ihr davon, wenn wir den Lehrern Spiele beibringen und den Schülern die Möglichkeit geben würden, kreativ zu sein und ihre eigenen Spiele zu entwickeln? Letztlich wird das Lernen so zu einer Gruppenarbeit und der Schüler lernt, dass Probleme in einer realen Welt oft nur als Team lösbar sind.

Wir haben zudem darüber diskutiert, führende Persönlichkeiten aus der Kreativ- oder Spieleindustrie in Schulen einzuladen, damit sie ihre Herangehensweisen mit den Schülern teilen und ihnen so die Möglichkeit geben, von ihnen zu lernen. Durch die Nutzung von Videokonferenzen wäre dies auch problemlos skalierbar.

Mit den gesammelten Visionen will Sommer gemeinsam mit der Werbebranche für einen „Wandel des maroden Bildungssystems“ sorgen und „die Unterdrückung von Kreativität im Schulunterricht stoppen“. Sommer & Expert*innen blicken dabei über den Branchentellerrand. „Unsere Schulen sind nicht darauf vorbereitet, die nächste Generation heranzubilden. Das kreative Potenzial jedes Einzelnen zu entwickeln wird immer wichtiger. Kreativität ist wesentlicher Wertschöpfungsfaktor innerhalb der neuen Wirtschaftsformen des Innovationszeitalters“.

Mit dem o. g. Buch  liegen die Ergebnisse des “Classroom Think Tank” vor. Es handelt sich um eine Ideensammlung, wie die Schule von morgen besser auf die Schüler*innen eingehen und sie auf die Herausforderungen vorbereiten können. Das deuten die folgenden Zitate der Workshopteilenhmer*innen an [2]https://www.wuv.de/Archiv/Keine-Angst,-keine-Noten-Kreative-planen-die-Schule-von-morgen:

     

    • Ich würde mehr Leerzeiten in den Stundenplan einbauen. Dann bliebe Zeit für Spielen, Denken und Langeweile.
    • Wir müssen die Uhren loswerden. Einige Kinder sind eher fertig, die könnten doch dann gleich in die nächste Schulstunde gehen. Andere brauchen mehr Zeit, die müssen wir doch nicht unter Druck setzen, damit sie rechtzeitig fertig werden. Die Schulklassen brauchen mehr zeitliche Flexibilität, um der Kreativität Raum zu geben.
    • Lehrer sollten die Rolle von ‘Talent Coaches’ übernehmen und Vermittler in einer Kultur kreativen Lernens werden.
    • Anstatt Fakten und Theorien in die Köpfe der Schüler zu stopfen, sollten Lehrer sie herausfordern, kreative Lösungen für tatsächliche Probleme zu finden, Kinder kreativ anregen. Eigentlich müsste es wie in Agenturen sein: Da bedeutet kreative Stimulation, die Mitarbeiter mit abseitigem Denken und unkonventionellen Denkern zu konfrontieren – so sollte das auch in Schulen ablaufen.
    • Entwickelt ein “Change Framework”, ein Strategiemodell zur Förderung des kreativen Denkens an weiterführenden Schulen. Dieses stützt sich auf fünf Säulen, die mit Ideen von Kreativen aus der ganzen Welt gefüllt sind: Organisationsdesign, Lernkultur, Lehrerkompetenzen, Lehrmethoden und Bewertungssystem. Stellt euch eine Schule vor, an der kein Abschluss von Lehrern vergeben wird. Stellt euch Schüler vor, die sich selbst bewerten und begründen müssen, warum sie sich mit einem Abschluss belohnen …
    • Entwickelt ein “Lern-Ressourcen-Modell”. Es dient der Organisation der Schule der Zukunft: Die Schulstunden werden konsequent strukturiert, und zwar in 50 Prozent zur reinen Wissensvermittlung, 30 Prozent für konkrete Projektarbeit und 20 Prozent für die Förderung individueller Talente. Das eine Kind will tanzen, das andere malen, das dritte interessiert sich für Technik. Sie alle sollen sich in diesen Bereichen verwirklichen dürfen und individuell gefördert werden. Speziell bei diesem Ansatz könnten die Ganztagsschulen eine wichtige Rolle übernehmen und den Kindern auf der Suche nach ihren Vorlieben freie Wahl lassen.

     

    Eine Bewertung einzelner Beiträge verbietet sich. Manche Ideen werden den Kommentar auslösen: WOW. Andere: Das geht gar nicht. Haben wir noch nie so gemacht. Und doch: Im Hessischen Referenzrahmen Schulqualität wird ausdrücklich auf externe Kooperationspartner*innen verwiesen. So heißt es in der Dimension Schulkultur [3]https://sts-ghrf-ruesselsheim.bildung.hessen.de/recht/hrs-hessischer-referenzrahmen-schulqualitat.pdf:

    Ein erweitertes Angebot ermöglicht ein kulturell anregendes Schulleben. In Zusammenarbeit mit Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern und / oder externen Fachleuten werden zusätzliche
    Angebote für Schülerinnen und Schüler zusammengestellt.
     
    Um Kompetenzen aufzubauen, sind konkrete Anwendungs- und Handlungssituationen im Lehr- Lernprozess vorgesehen. Die Themen und Inhalte werden für die Schülerinnen und Schüler authentisch, interessant, relevant sowie mehrperspektivisch gestaltet und ermöglichen den Transfer auf andere Sachverhalte. Vielfache Zugänge werden für die Anwendung genutzt (zum Beispiel visuelle, auditive, ästhetische, motorische, haptische).
     
    Außerschulische Lernorte werden verlässlich als anwendungsorientierte, authentische Lernkontexte in den Regelunterricht integriert (zum Beispiel Betriebe, historische Gebäude, Museen, Biotope). Die regelmäßige Einbindung externer Expertinnen und Experten ist im Lehr-Lernprozess verankert.

    Mit den Werbetreibenden erschließt sich eine Expertise, die einen völlig neuen Blick auf Unterrichtsszenarien ermöglichen kann, mit Impulsen, die dem 4K-Modell (Kollaboration, Kreativität, kritisches Denken und Kommunikation) zugeordnet werden können. So auch die AR-Coveridee, die im Ergebnis unterschiedlichste Titelseiten liefert. Hier eine Auswahl:

    Sie können sich selbst beteiligen und Ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Buch und weitere Informationen finden sich hier: Wenn Schule auf Ideen bringt

    Das Buch unterliegt keiner Buchpreisbindung, daher auch die unterschiedlichen Kostenansätze. Ich habe die Rezension anhand des E-Books vorgenommen. Haptisch und reflektierend hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle die Sonderedition gewünscht, kann man hier schneller hin und her Blättern und hat man vermutlich auch einen besseren Ein- und Überblick.

    … Stay tuned …

    Bildnachweis: Ausschnitt aus Titelbild der Sonderedition

    References

    References
    1 WENN SCHULE AUF IDEEN BRINGT, S. 42 ff. https://www.wenn-schule-auf-ideen-bringt.de/
    2 https://www.wuv.de/Archiv/Keine-Angst,-keine-Noten-Kreative-planen-die-Schule-von-morgen
    3 https://sts-ghrf-ruesselsheim.bildung.hessen.de/recht/hrs-hessischer-referenzrahmen-schulqualitat.pdf

    Fortbildung neu denken: Aus aktuellem Anlass …

    Mit dem Erscheinen meines vierten Bands Das Fortbildungskonzept zur modernen Schule ist diese Webseite im Frühjahr online gegangen. Etwa zum gleichen Zeitpunkt erschien eine Studie mit einigen Aussagen von Schulleitungen zu deren Einschätzung zum deutschen Schulsystem [1]https://www.spiegel.de/panorama/bildung/deutschlands-schulleitungen-halten-stundenplaene-fuer-nicht-mehr-zeitgemaess-a-1f0f63f0-445d-4d57-8bd6-ff9a9d07fece, Paywall: Die große Mehrheit der Schulleiterinnen und Schulleiter ist sich darin einig, dass die Bundesrepublik eine »neue Kultur des Lernens« braucht. 82 Prozent der Schulleitungen sprechen sich dafür aus, die Stundenpläne mit dem althergebrachten Fächerkanon umzukrempeln. Dieser sei »nicht mehr zeitgemäß«, sondern bedürfe einer grundlegenden Überarbeitung. Knapp die Hälfte der Befragten wünscht sich, dass der Fachunterricht thematisch stärker vernetzt wird. Etwa ein Viertel würde einen insgesamt fächerübergreifenden Unterricht bevorzugen. 93 Prozent wünschen sich außerdem, dass im Unterricht mehr Lebenskompetenzen vermittelt werden, um Kinder und Jugendliche besser auf das Erwachsensein und die Arbeitswelt vorzubereiten.

    Um genau diesen Einzug einer neuen Kultur des Lernens soll es in diesem Beitrag gehen, unter verschiedenen Gesichtspunkten. Die Auswahl richtet sich an diejenigen, die sich für die Weiterentwicklung von Lernkultur interessieren. Themen sind:

    • Unterrichts- und Schulentwicklung
    • Schulleitungshandeln
    • Neues Lernen
    • Lernräume

    Einfach auf das blaue  Vorschaubild der Version vom 19:13, 3. Sep. 2016 klicken, um dem Tweet/Thread folgen zu können.

    Doch zu Beginn zwei Themen:

    • Deutscher Schulpreis
    • KI im Unterricht

    die im #Edutwitter den einen oder anderen kritischen Kommentar auslösten.

    Deutscher Schulpreis 2022

     
    Mit dem Deutschen Schulpreis 2022 wurde – so die beiden Initiatoren Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung – erstmals die Kernaufgabe von Schule >>Qualität des Unterrichts und damit die Qualität des Lehrens und Lernens<< in den Mittelpunkt der Ausschreibung gestellt. 81 Schulen haben sich um die Auszeichnung schriftlich beworben. Sie setzten sich dabei mit folgender Frage auseinander [2]https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf/2022-09/Deutscher_Schulpreis_2022_Unterricht_besser_machen.pdf:

    • Wie gewährleistet unsere Schule ein hohes fachliches und überfachliches Niveau sowie einen Bezug zur Lebenswelt der Schüler:innen
    • Wie gelingt es unserer Schule, fachliches Lehren und Lernen und überfachliche Kompetenzentwicklung im schulischen Alltag zu
      verbinden?
    • Inwiefern stärkt und fördert unsere Schule eigenverantwortliches und kooperatives Lernen?
    • Wie stellt unsere Schule eine anregungsreiche Lehr- und Lernumgebung sicher?
    • Welche Formen von Beratung und Feedback an die Lernenden sind bei uns etabliert und beobachtbar?
    • Welche verbindlichen Regeln und Vereinbarungen zum Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten gibt es an unserer Schule?

    Wesentlich bei der Bewerbung ist nicht nur die Beschreibung, was und wie etwas getan wird, sondern ebenso die substanzielle Begründung, warum dies getan wird. Ein Beispiel: Beschreiben Sie bitte nicht nur die Maßnahme, sondern erklären Sie, inwiefern diese Maßnahme die Entwicklung von einzelnen Schüler:innen fördert. Welcher Vorteil ergibt sich aus dieser Maßnahme gegenüber der bisherigen Praxis? Warum ist das Konzept gerade für diese Schüler:innen geeignet?

    Grundlage des Deutschen Schulpreises sind die sechs Qualitätsbereiche: Unterrichtsqualität; Leistung; Umgang mit Vielfalt; Verantwortung; Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner sowie Schule als lernende Institution. Auch für den Deutschen Schulpreis 2023 (dazu am Ende noch mehr) bilden diese Merkmale guter Schule den Rahmen – der Fokus liegt auf dem Qualitätsbereich Unterrichtsqualität.

    Eine Jury aus 50 Expert:innen aus Bildungswissenschaft, Schulpraxis und Bildungsverwaltung prüfte die Bewerbungen, führte Telefoninterviews und wählte in der ersten Jurysitzung die TOP 20 Schulen aus. Anschließend besuchten multiprofessionell aufgestellte Juryteams diese Schulen jeweils zwei Tage lang, hospitierten im Unterricht, führten Gespräche mit der Schulleitung, den Lehrkräften, Eltern, Schüler:innen und außerschulischen Partnern. Im Anschluss entschied die Jury in ihrer zweiten Sitzung über die TOP 15 Schulen und die Preisträger.

    Eine Sketchnote von Susanne Posselt anlässlich eines Vortrags von Prof.’in Monika Buhl [3]https://twitter.com/susanneposselt/status/1527704386516013056 illustriert das Verfahren in sehr anschaulicher Weise (für eine bessere Lesbarkeit auf das Bild klicken):
     

    Die 15 nominierten Schulen
    • Die Deutsche Europäische Schule Singapur schafft es, mit einem eng kooperierenden Kollegium ihren Unterricht systematisch weiterzuentwickeln. 
    • Das Evangelische Lichtenstern-Gymnasium Sachsenheim setzt auf lebensnahen, fächerverbindenden Unterricht. Die Berufsorientierung der Schule ist beispielhaft. 
    • Die Ganztagsgemeinschaftsschule G. E. Lessing in Salzwedel (Sachsen-Anhalt) kämpft wie alle Schulen in der Altmark mit einem massiven Lehrkräftemangel. Dennoch gelingt es ihr unter anderem durch kreativen Unterricht und ihr Inklusionskonzept, alle Schüler:innen zum Abschluss zu führen. 
    • Die Ganztagsgrundschule Saarbrücken-Scheidt (Saarland) versteht sich als offener Lebens- und Lernort für alle Mitglieder der Schulgemeinschaft – ein Ort, an dem alle mitgestalten, selbstständig handeln und Verantwortung übernehmen. 
    • Teamwork statt Einzelkämpfertum: Mit dieser Haltung macht sich die Gemeinschaftsschule Harksheide in Norderstedt (Schleswig-Holstein) dafür stark, ihre Schüler:innen beim nachhaltigen Lernen zu unterstützen. 
    • An der Gesamtschule Höhscheid (Solingen, Nordrhein-Westfalen) steht das eigenverantwortliche Lernen im Mittelpunkt. In individuellen Coachings lernen die Schüler:innen die dafür nötigen Kompetenzen, ein Logbuch gibt ihnen Orientierung. 
    • Der Unterricht an der Grund- und Werkrealschule Villingendorf (Baden-Württemberg) ist stark handlungsorientiert und praxisnah. Insgesamt 50 Betriebe kooperieren mit der Schule und gestalten Unterrichtsangebote mit. 
    • Die inklusive Havelmüller-Grundschule in Berlin zeichnet sich durch ihren individualisierten und interessengeleiteten Unterricht in Lernhäusern aus. 
    • Die Heinrich-Lübke-Schule in Brilon (Nordrhein-Westfalen) setzt auf Individualisierung, Lernbegleitung und ritualisierte Tagesabläufe, um ihre Schüler:innen bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. 
    • Der Unterricht an der niedersächsischen IGS Buchholz, eine junge Gesamtschule, ist geprägt durch ein hohes Maß an partizipativer Mitbestimmung der Schüler:innen und digital gestütztem Lernen. 
    • Am Montessori Zentrum Angell Freiburg (Baden-Württemberg) steht das selbstständige Arbeiten im Fokus. Über 1.100 Schüler:innen lernen von der Primarstufe bis zum Abitur auf einem gemeinsamen Campus. 
    • Eine starke Beteiligung der Schüler:innen macht den Unterricht am Otto-Nagel-Gymnasium in Berlin besonders. So gestalten in der Interessengemeinschaft „IG Friedenstaube“ Schüler:innen selbstständig Lernangebote für den Ganztag. 
    • An der inklusiven und jahrgangsübergreifenden Paula-Modersohn-Schule in Bremerhaven (Bremen) lernen die Kinder und Jugendlichen mithilfe von Kompetenzrastern, ihr Lernen selbst in die Hand zu nehmen. 
    • Das Placida-Viel-Berufskolleg in Menden (NRW) verzahnt Elemente des Daltonplans mit Mentoring und Digitalisierung. 
    • Das Regionale Berufliches Bildungszentrum Müritz in Waren (Mecklenburg-Vorpommern) bereitet auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vor. Das gelingt ihr auch mit Hilfe einer didaktischen Jahresplanung.

    Im Vorfeld gab es im #Edutwitter auch Kritisches zur Ausschreibung zu lesen. Vor allem mit den in dem Referenzrahmen gesetzten Prämissen. Hier zwei Links:

    In der Tat haben auch wir hessischen Schulberater*innen uns regelmäßig mit dem Hessischen Referenzrahmen (HRS) auseinandergesetzt. Auch, weil sich Herausforderungen an Schul- und Unterrichtsentwicklung, an Schulleitungshandeln immer wieder neu stellen. Ich habe noch gut unsere teilweisen kontroversen Diskussionen in Erinnerung. Sie haben 2011 und 2021 zu entsprechenden Revisionen geführt, nicht zuletzt durch Expertise außerhalb der hessischen Grenzen.

    Eine weitere Kritik zielt auf Frage ab, inwieweit die Erfahrungen der prämierten Schulen übertragbar seien. Schulen hätten es mit ganz anderen Problemen zu tun, viel elementarer. Unterrichts- und Schulentwicklung sei niederschwelliger anzusetzen. Und doch empfehle ich eine Bewerbung auch für das Jahr 2023. Aus drei Gründen: Zum einen ist der Preis hoch dotiert, d. h. im Auszeichnungsfall kann man lang gehegte Wünsche umsetzen. So hat sich z. B. 2016 die siegreiche Freiherr vom Steinschule (Neumünster) einen Glasfaseranschluss legen lassen können. Zum anderen erhält man Besuch von einer Expertengruppe, die vor Ort eine externe Evaluation durchführt und der Schule eine an den oben genannten Kriterien ausgerichtete Auskunft über die aktuelle Schul(entwicklungs)arbeit liefert. Und schließlich rundet eine spannende und wertschätzende Abschlussveranstaltung das Ganze ab, mit der Möglichkeit sich untereinander zu vernetzen. 

    KI im Unterricht

    Dieses Thema ist so neu nicht. Bereits Philipp Wampfler hat sich in einem Blogbeitrag Automatische Texte mit GPT-3: Das Ende der Aufsatzdidaktik damit auseinandergesetzt. Es geht um den Einsatz der GPT-3 Technologie, die in Textgeneratoren und KI-gestützten Programmen eingesetzt wird. Wampfler kommentiert abschließend:

    In der Schule werden diese Algorithmen wohl noch eine Weile bekämpft – genauso wie Gemeinschaftlichkeit und Kommunikation. Letztlich werden diese drei Merkmale der Kultur der Digitalität aber nicht verhindert werden können – die Energie, die in diesen Kampf fließt, ist verschwendet. Wer Jugendliche umfassend bilden will, stellt ihnen diese Möglichkeiten zur Verfügung und schafft Settings, in denen ein reflektierter, kritischer und bewusster Einsatz von Technologie möglich ist.

    Nun ist eine neue Diskussion entbrannt, nicht zuletzt durch den Tweet des @krautreporter Bent Freiwald:

    sowie weitere Kommentare zu den einlaufenden Tweets:

    • Während einige sich noch wundern, dass Schüler:innen EINE KI nutzen, um Texte zu schreiben, sind die Jugendlichen schon 2 Schritte weiter: Sie kombinieren nämlich MEHRERE KI Tools [4]https://twitter.com/hav_hendrik/status/1575447260942458881. (@hav_hendrik)
    • Wenn Schüler:innen mit KI-Algorithmen Essays verfassen, zeigt das auch, dass Schreiben kein „Monolog mit einem weißen Blatt Papier“ (Wygotski 1934) ist, sondern ein sozialer Prozess. Niemand schreibt alleine und isoliert. KI-Essays machen das nur sehr, sehr deutlich [5]https://twitter.com/mediendidaktik_/status/1575564727144456192. (@mediendidaktik)
    • Zur Diskussion um sinnvolle Lern- & Arbeitsaufträge: KI schreibt Texte zu beliebigen Themen & in beliebigen Sprachen & variablem Register für mich – wird spannend, wenn SuS das finden! Hätte ich das damals gehabt… [6]https://twitter.com/HPoelert/status/1574471244061315081 (@HPoelert)
    • Eine Taskcard mit einer Sammlung von Rückmeldungen aus Edutwitterszene, zusammengestellt von @coolschooltoday

    Ich bin gespannt, wie die Diskussion weitergehen wird. Für eine Vertiefung empfehle ich den Blogbeitrag von Urs Henning, den Artikel Argumentieren lernen mit automatisiertem Feedback von Dr. Thorben Jansen/Dr. Jennifer Meyer sowie eine Fortbildungsveranstaltung der Uni Potsdam. Innerhalb des Anmeldeprozesses kann man Fragen an die Impulsgeber*innen geben 👍.

    Welche absurden Auswirkungen das Ganze haben kann, zeigt dieses kleine Video: vom Wall Street Journal (Oktober 2019):

    Und nun zu den Tipps aus dem Edutwitter(campus) …

    Unterrichts- und Schulentwicklung

    @Schulleitung

    Neues Lernen

    Lernräume

    Schlussbemerkung

    Joscha Falck – Lehrer, Schulentwicklungsmoderator und Referent für Schulentwicklung und digitale Transformationsprozesse aus Bayern – kommentierte kürzlich in seinem Beitrag Die Fortbildung ist tot, es lebe die Fortbildung: Wer jedoch ein wirkliches Interesse an der Transformation von Schule und Unterricht hat, sollte den Fokus verschieben und dorthin blicken, wo diese Transformation bereits gelungen ist. Das gelingt z. B. durch einen „virtuellen Besuch“ der Schulpreisträger. Nicht nur der aktuellen, sondern auch durch die professionell dokumentierten Schulpreissieger der vergangenen Jahre [7]https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/deutscher-schulpreis-das-sind-die-besten-schulen/.

    Das Fortbildung- und Weiterbildungsthema spielt darüber hinaus in den Umgang mit dem aktuellen Lehrkräftemangel hinein: Wie die Seiteneinsteiger integrieren, wie den Unterrichtsausfall kompensieren? Damit kämpfen zurzeit alle Ministerien. So verfasste Sachsens-Anhalts Kultusministerin Eva Feußner (CDU) einen Brief an alle Leiter*innen von Sekundar- und Gemeinschaftsschulen in Sachsen-Anhalt mit der Ankündigung einer Vier-Tage-Präsenz-Woche als ein offizielles Angebot des Landes. Feußner gewährte darin den Schulleiter*innen „zusätzliche Freiräume in der konzeptionellen Unterrichtsplanung und Unterrichtsdurchführung“.

    So sehr ich eine Verantwortungsübergabe begrüße: Das allein führt zu keiner nachhaltigen Lösung. Wünschenswert ist eine Fortbildungsinitiative der Ministerien und ihrer nachgeordneten pädagogischen Institute mit einer inhaltlichen wie organisatorischen Verantwortungsübernahme. Ganz so, wie sie das Land Hessen das in den Jahren 2010ff bei der Weiterentwicklung eines kerncurricular gesteuerten Unterrichts angelegt hat. Mit einer zweijährigen Fortbildungsinitiative der Fachkollegien in MINT, PoWi und neue Sprachen (Englisch, Französisch). Für die Maßnahme in Mathematik Grundschule liegt eine Evaluation vor. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen decken sich mit unserer eigenen internen Analyse nach Befragung der beteiligten Sek. I Schulen. Für einen Überblick habe ich eine videografierten Einführung in das Fortbildungskonzept erstellt (ab 6:30 vorgestellt).

    Damit auf diesem Weg Unterrichts- und Schulentwicklung gelingt, ist die Einbeziehung der Schulleitungen unbedingte Voraussetzung. Daneben benötigt es engagierte und änderungswillige Fachkollegien. Es benötigt darüber hinaus eine multiprofessionelle Koordination, sowohl auf institutioneller (Stichwort Inhalte) wie auf schulischer und regionaler Ebene (Stichwort Vernetzung). Alles das zusammen hilft, das folgende Bild vermeiden zu helfen:

    In diesem Sinne:

    … Stay tuned …

    Titelbild von Gerd Altmann (@pixabay)

     

    @Edutwitter: Anregungen – Impulse – Ideen (01-22)

    Ferienzeiten dienen zum einen der Erholung und Regeneration, zum anderen der Recherche nach neuen Ideen, nach Impulsen für die eigene Arbeit. Viele engagierte Lehrkräfte lassen das EduTwitter an den Ergebnissen teilhaben. Dieser Artikel ordnet die Beiträge in verschiedene Kategorien. Nicht immer trennscharf, zugegeben. Wer den Rückmeldungen nachfolgen will: Einfach auf das blaue Vorschaubild der Version vom 19:13, 3. Sep. 2016 klicken, man wird dann automatisch auf den Tweet/ Thread geleitet, den man auch ohne Twitteranmeldung lesen kann. Wenngleich ich eine Anmeldung empfehle. Dazu später mehr…

    Let’s dive in…

    Unterrichts- und Schulentwicklung

    @Schulleitung

    Agiles Lernen

    Lernräume

    Fortbildung

    (Ergebnis)Sammlungen

    Vernetzung

    #Edunautika

    Newsletter

    Schlussbemerkung

    Und nun, wie angekündigt noch eine kleine Anleitung, wie man sich den Weg ins EduTwitter bahnen kann. Ganz einfach: Zunächst bei Twitter einen Account organisieren. Dann: Den Betrieb erst einmal beobachten. Die Terminologie erschließt man sich recht schnell, vor allem unter Zuhilfenahme der folgenden Links mit Erläuterungen rund um die Nutzung des Twitternetzwerks:

    Ich empfehle darüber hinaus, dem (Maschinen)Account @Bot_TwLehrerZ zu folgen, da er die Tweets der Twitterlehrkräftenetzwerke (#Twitterlehrerzimmer, #twlz, …) in die sogenannte Timeline spült.

    In diesem Sinne:

    … Stay tuned …

    Titelbild von D. Koeltzsch (@dkoeltzsch)

     

    @Digitalisierung in Schule

    Kürzlich, ein Lehrkräfte(LiV)-Ausbilder in einem Webinar: „Es ist wichtig, dass die Bildungsforschung nicht nur Ergebnisse präsentiert, sondern sich auch um Praxisbeispiele kümmert.“ Ich habe kürzlich Deeper Learning von Prof.’in Sliwka und Jun.-Prof.’in Britta Klopsch mit genau dieser Intention vorgestellt. Heute geht es um ein Buch, das ebenfalls Theorie und Praxis miteinander verbindet. Letzteres hinterlegt als Online-Anhang. Dazu später mehr … 

    Und das sagen die Herausgeber*innen …[1]https://www.waxmann.com/?eID=texte&pdf=4469Einleitung.pdf&typ=zusatztext

    Spätestens mit dem gesellschaftlichen Wandel zur postmodernen arbeitsteiligen Wissensgesellschaft und mit der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung digitaler Formate ist Digitalisierung aus dem individuellen, organisationalen und gesellschaftlichen Alltag nicht mehr wegzudenken. (…) Dies führt aus Perspektive des Systems Schule u. a. zu den folgenden Fragen: Wie lässt sich das Phänomen Digitalisierung (begrifflich) fassen und weiter ausdifferenzieren? Wie bedingen sich schulische und (gesamt-)gesellschaftliche Digitalisierungsprozesse? Und wie reagiert erziehungswissenschaftliche Forschung auf Chancen und Herausforderungen schulischer Digitalisierung?

    (…)

    (Die Beiträge sollen) exemplarische Aspekte der wesentlichen Dimensionen digitalisierungsbezogener Schulentwicklung thematisieren (Organisations-, Unterrichts-, Kooperations-, Technologie- und Personalentwicklung), punktuell einen Einblick in die Vielzahl der Digitalisierungen (Prozesse, Effekte) auf verschiedenen schulgestalterischen Ebenen bieten und das Zusammenspiel der verschiedenen Digitalisierungen zwischen Generalisierung und Präzisierung einerseits sowie in ihrem gesellschaftlichen Kontext andererseits zeigen.

    (…)

    Neben wissenschaftlichen Beiträgen zu den theoretischen und empirischen Grundlagen von Digitalisierungen kommentieren daher Fokusbeiträge (verfasst von Expert*innen anderer Fachdisziplinen sowie von aktiven Lehrkräften) Digitalisierungen in Schulen auch aus praxisnaher Perspektive. Ergänzt wird der Band um einen Online-Anhang mit digitalem Praxismaterial, auf das in einzelnen Beiträgen verwiesen wird. Ein entsprechender Hinweis auf den Link zum Anhang (https://www.waxmann.com/buch4469) findet sich jeweils oberhalb der betreffenden Beiträge. Darüber hinaus bieten Hinweise auf weiterführende Beiträge im Band am Ende jedes Artikels Orientierung

    (…)

    Versteht man Digitalisierung im Sinne einer vierten gesamtgesellschaftlichen Revolution, so liegen nachhaltige schulische Digitalisierungsprozesse nicht nur in der Verantwortung singulärer Akteur*innen. Wir hoffen, dass die Beiträge dieses Bandes in ihrer Verortung zwischen Systematisierung und Partikularisierung einerseits und zwischen schulbezogenen Digitalisierungen und gesellschaftsbezogenen Digitalisierungen andererseits exemplarische Einblicke in diesbezüglich genutzte wie ungenutzte Potenziale geben können. Zugleich zeigt sich mit Blick auf aktuelle technologische (Weiter-)Entwicklungen, wie schwierig es für schulische Digitalisierungen ist, mit der Akzeleration gesellschaftlicher Digitalisierungen Schritt zu halten, etwa hinsichtlich der Folgen und Implikationen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz (KI). Somit gilt es nicht nur, den erziehungswissenschaftlichen Fachdiskurs diesbezüglich voranzutreiben und die Innovationspotenziale, die den einzelnen Digitalisierungsphänomenen inhärent sind, produktiv zu nutzen, sondern auch Bildungsinstitutionen auf zukünftige, noch nicht vorhersehbare technologische Entwicklungen vorzubereiten.

    … verbunden mit der folgenden Übersicht über die verlinkten digitalen Angebote:

     

    • R. Fehrmann: Digitale Kompetenz für das Leben in einer digitalisierten Welt – Eine begriffstheoretische Fundierung und multidimensionale Konzeptualisierung, konkretisiert an der unterrichtspraktischen Produktion von Erklärvideos.
      • – Leitfaden für die Erstellung von Erklärvideos
      • – Handreichungen und Checklisten verschiedener Anbieter für die Videoproduktion
    • L. Furmanek: Schulisches Lernen mit digitalen Pinnwänden Zeitgemäße Bildung zur Förderung digitaler Kompetenz.
      • – Digitale Pinnwände: Padlet, Taskcards, Trello
    • D. May, S. Grosser & R. Fehrmann: Coding und Robotik als Elemente einer zukunftsorientierten digitalen BildungWie der Einsatz von Lernrobotern im Unterricht dazu beitragen kann, ein Verständnis für die Funktionsweise und ein Bewusstsein für die Wirkung von Algorithmen anzuregen.
      • – Einführungsvideo zur Nutzung des Lernroboters Ozobot
      • – Einführungs-E-Book zur Ozobot-Nutzung
      • – Unterrichtsmaterial der Universität Münster
      • – Beispiel-Video zum Thema „Märchen”
      • – Handreichungen zum Themengebiet „Making / Maker Education”
    • T. Lindström & U. Schweckendiek: Schulentwicklung und Unterrichtspraxis unter Bedingungen des digitalen Wandels.
      • – Handreichung „Medienkonzeptionelle Arbeit an Schulen
    • F. Seever & P. Schacher: Potenziale zum Erwerb von digitalisierungsbezogenen Kompetenzen durch den Einsatz digitaler Medien im Geschichtsunterricht.
      • – Digitale Sammlung der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek
      • – Digitale Sammlung des Münchener Digitalisierungszentrums
      • – Segu Geschichte – Lernplattform für offenen Geschichtsunterricht
      • – Etherpad / ZumPad
      • – WDR History App
      • – @eva.stories Instagram-Kanal
    • Janßen: Digitalisierung nutzen Grundlagen zur schulischen Förderung des Gründergeists.
      • – Konzeptpapier „Anregungen zur unterrichtlichen Nutzung des Business Models Canvas unter Einbezug digitaler Tools”.

    So viel aus Sicht der Herausgeber*innen. Eigentlich verbietet sich ein Hervorheben der Beiträge. Gleichwohl lässt sich anhand der eigenen Perspektive überprüfen, ob tatsächlich Theorie und Praxis in geeignetem Maße abgebildet wurde. Was also hat mich selbst interessiert und angesprochen?

    • Die Theorie „Computional Thinking als Methodik des Problemlösens“ mit der Praxis „…konkreter Lernsetting mithilfe von Lernrobortern“
    • Die Theorie „Schulentwicklung und Unterrichtspraxis unter Bedingungen des digitalen Wandels“ mit den Praxisschwerpunkten „Kerngeschäft: Unterrichtsentwicklung“ und „Eine gemeinsame Aufgabe! Kooperationsentwicklung”
    • Die Theorie „Die Rolle der Schule für medienbezogene Sozialisations- und Bildungsprozesse der heranwachsenden Generation in Zeiten des digitalen Wandels“ mit den Ausführungen zur „Schule als Sozialinstanz im digitalen Wandel“ und „Medienbildung und Medienerziehung aus medienpädagogischer Perspektive“
    • Die Theorie „Schulisches Lernen mit digitalen Pinnwänden“ mit den Zielperspektiven
      • – Vermittlung von Fertigkeiten im Umgang mit digitalen Medien
      • – Nutzung digitaler Medien zur Verbesserung des fachlichen Lernens
      • – Entwicklung und Umsetzung neuer Formen des Unterrichtens mit digitalen Medien sowie
      • – Förderung des Medienkompetenzerwerbs und des Erwerbs ,digitaler’ Kompetenz als fächerübergreifende Querschnittsaufgabe.
    • Die Theorie „Schulleitungsfortbildung in einer digital durchdrungenen Gesellschaft“ mit dem „explorativen Blick auf Angebote und Inhalte“

    dargestellt und verbunden zu sehen.

      Zum letzten Spiegelpunkt habe ich übrigens kürzlich einen Tweet ergänzt:

      Wer sich für Schul- und Unterrichtsentwicklung interessiert, wird in diesem Buch eine Vielzahl von Anregungen finden, nicht zuletzt auch durch den oben vorgestellten Online-Anhang. Darüber hinaus gefällt mir, dass die Autor*innen neben einer umfangreichen Literaturliste auf vertiefende Beiträge innerhalb dieser Publikation verwiesen haben. Auch, weil es für noch mehr Unterfütterung der Theorieansätze mit Praxisbeispielen und hier und da für einen Perspektivwechsel sorgt …

      … Stay tuned …

      Future skills

      Wie häufig wird gefordert, Schule möge auf die Digitalisierung im Berufsleben vorbereiten. Viele Universitäten und Ausbildungsbetriebe wünschen sich Schülerinnen und Schüler, die jenseits der Fachkompetenz vor allem überfachliche Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen mitbringen mögen. Bevor ich auf zwei neue Future Skills Publikationen eingehe, will ich mit einem Rückblick auf in diesem Zusammenhang veröffentlichte „Vorarbeiten“ eingehen.

      Lernkompass 2030

      Vor zwei Jahren ist die deutsche Übersetzung des OECD Learning Compass 2030 erschienen. In dem Vorwort von Andreas Schleicher, Direktor des Direktorats für Bildung und Kompetenzen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heißt es[1]https://www.joeran.de/wp-content/dox/sites/10/OECD-Lernkompass-2030-Web.pdf:

      In der Zukunft wird es darum gehen, die künstliche Intelligenz von Computern mit den kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten und Werten von Menschen zu verknüpfen. Es werden unsere Vorstellungskraft, unser Bewusstsein und unser Verantwortungsgefühl sein, die uns helfen werden, Technologien zu nutzen, um die Welt zum Besseren zu gestalten. Erfolg in der Bildung heißt heute nicht nur Sprache, Mathematik oder Geschichte, sondern ebenso Identität, Handlungsfähigkeit und Sinnhaftigkeit. Es geht darum, Neugier und Wissensdurst zu wecken, den Intellekt für Neues zu öffnen.

      (…)

      Die wachsende Komplexität des modernen Lebens – für den Einzelnen und für Gemeinschaften – bedeutet, dass auch die Lösungen für unsere Probleme komplexer sein werden. In einer strukturell unausgeglichenen Welt ist es notwendig, unterschiedliche Perspektiven und Interessen miteinander in Einklang zu bringen. In einem lokalen Umfeld zu agieren und dabei gleichzeitig die möglichen, auch globalen Auswirkungen zu antizipieren und zu berücksichtigen, bedeutet, dass wir mit Spannungsfeldern und Dilemmata umgehen müssen.
      (…)

      Kreativität in der Lösung von Problemen erfordert, dass wir die Folgen unseres Handelns mit Verantwortungsbewusstsein sowie mit moralischer und intellektueller Reife bedenken, sodass wir unser Handeln im Lichte von Erfahrungen sowie persönlichen und gesellschaftlichen Zielen reflektieren können. Bei der Wahrnehmung und Bewertung dessen, was in einer bestimmten Situation richtig oder falsch, gut oder schlecht ist, geht es.

      Wie sollen wir unsere Kinder auf morgen vorbereiten? Welches Wissen werden sie brauchen in einer Welt, die angesichts der rasanten technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre weniger vorhersehbar denn je ist? Mit dem „Lernkompass 2030“ (engl.: „Learning Compass 2030“) will die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Antworten auf diese Fragen geben. Das Rahmenkonzept, das von den Mitgliedsstaaten gemeinschaftlich erarbeitet und im Mai 2019 in Vancouver vorgestellt wurde, fasst die Kompetenzen zusammen, die junge Menschen für eine erfolgreiche Entwicklung benötigen. Im Zentrum steht der Gedanke, dass Schülerinnen und Schüler mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Durch die Stärkung ihrer Handlungskompetenz werden sie befähigt, ihr eigenes Leben und die Welt um sie herum positiv zu beeinflussen.

      Das E-Book liegt in einer Übersetzung von Jöran Muuß-Merholz vor. In Ergänzung dazu interessiert vielleicht das Interview von fobizz mit Jöran Muuß-Merholz.

      Future Skills (2020): Lernen der Zukunft

       

      Der Titel des vor Ihnen liegenden Buches reibt sich. Er nervt! So beginnt der Autor sein Vorwort. Und weiter: Zumindest aus bildungswissenschaflicher Sicht ist die Beschäftigung mit dem Thema Future Skills zunächst ein Paradoxon. Skills, eigentlich also Fähigkeiten und Kompetenzen, sind schon per se auf die Bewältigung zukünftiger Herausforderung gerichtet. Wieso also solch einen Zukunftsbegriff noch mal mit dem Zusatz „Future“ imprägnieren? (…) Derzeit entstehen überall auf der Welt Future Skill Initiativen, auf die im Buch noch im Detail eingegangen wird. Sektorale, für Schulen oder Hochschulen, nationale (bspw. Future Skills Canada) und internationale, etwa von der OECD, der EU oder dem World Economic Forum. Alles Ansätze, die sich damit auseinandersetzen, die gewandelten gesellschaftlichen Bedingungen für Arbeit, Bildung und Leben zu reflektieren und wichtige Future Skills zu analysieren. Viele dieser Konzepte setzen Schwerpunkte dabei auf die Frage, welche Fähigkeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer digitalisierten Welt brauchen.(…)

      Das Buch erarbeitet ein Modell, welches beschreibt, welche Strukturen und Wandlungsprozesse Future Skills zugrunde liegen und arbeitet drei Grundkomponenten heraus, die für die Handlungsfähigkeit in zukünftig hoch emergenten Kontexten eine wichtige Rolle spielen. Das so entstehende Triple Helix-Modell ist in der Lage, die für Future Skills wichtigen Bereiche abzubilden und ist insofern erklärungsmächtiger, als die bislang zu diesem Thema vorgelegten einfachen Listen.
      „Future Skills – Zukunft des Lernens – Zukunft der Hochschulen“ ist das erste Buch zum Thema Future Skills, ist zugleich die erste empirische Arbeit bildungswissenschaflicher Ausrichtung zum Thema und umfasst nicht nur die Frage nach Future Skills für den Arbeitsmarkt, sondern auch nach Future Skills für grundsätzliche Handlungsfähigkeit.

      Das Buch eignet sich meines Erachtens auch als Anregung/ Blaupause für Veränderungen unseres Schulsystems unterrichtlich wie organisatorisch. Besonders angetan bin ich von dem Kapitel A.3 Future Skills (= Kompetenzen) für die Welt von morgen und  C3.2 Vier Szenarien für die Hochschule der Zukunft. Hier war ich mehrfach versucht, Hochschule mit Schule zu ersetzen. Das Buch kann sich vor allem dann als Hilfe erweisen, wenn eine Schule eine Leitbildentwicklung vorbereitet. Das Buch ist Teil des Projekts NextSkills Initiative, das sich nicht nur auf die Kompetenzen bezieht, die Studierende in der zukünftigen Arbeitswelt brauchen werden. Es geht auch darum, wie sich die Hochschulen an den stetigen Wandel anpassen müssen.

       

      Future Skills (2022): Zukunftskompetenzen in der akademischen Bildung

      Der Autor Ulf-Daniel Ehlers hat eine neue Publikation nachgeschoben. Sie leitet aus der Kompetenzforschung 17 Future Skills ab [2]https://nextskills.org/wp-content/uploads/2022/05/2022-01-Future-Skills-Bildungsforschung_Vs_final.pdf, S. 24 f.:

       

      Der Autor stellt in seinem Fazit heraus, dass der Begriff Future Skills

      kein klar abgegrenztes und wohl definiertes Kompetenzkonzept bezeichnet, sondern vielmehr eine Vielzahl an Eckpunkten und Vorstellungen beschreibt, welche Fähigkeiten Menschen für eine positive Gestaltung der Zukunft ihrer jeweiligen Organisationen oder ihres Lebens besitzen müssten. Teilweise werden in den jeweiligen Ansätzen auch nur Themenstellungen oder Themenwörter anstelle von Kompetenzen genannt.

      (…)

      Fast alle Beiträge zum Thema Future Skills lassen eine klare (bildungs)theoretische Fundierung davon, was Kompetenz oder Kompetenzerwerb ausmacht vermissen, was eine Nutzung für Bildungsprozesse schwierig, beliebig oder unmöglich macht. Derzeit weist lediglich der von uns entwickelte Ansatz [3]https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/37362/2020_Book_FutureSkills.pdf eine explizite handlungs- und bildungstheoretische Fundierung auf. Viele der als Future Skills gelisteten Themen oder Kompetenzen sind ohne zugrundeliegende Persönlichkeits- und Lerntheorien ausgewiesen und beziehen sich ausschließlich auf den kognitiven Bereich.

      Neben Ulf -Daniel Ehlers befassen sich noch weitere Hochschuldidatiker*innen und Unternehmen mit diesen Fragetsellungen:

      Apropos Peter Spiegel: Nach so viel Theorie soll nun ein Praxisband von ihm und anderen vorgestellt werden:
       

      Future Skills: DAS PRAXISBUCH FÜR ZUKUNFTSGESTALTER

      Ich habe den Beitrag mit Andreas Schleicher begonnen und greife gerne Auszüge aus seinem Vorwort mit dem Untertitel „was dieses Buch einzigartig macht…“ auf:

      Wir leben in einer Welt, in der Dinge, die leicht zu lernen und zu testen sind, auch leicht digitalisiert und automatisiert werden können. Die Welt belohnt uns nicht mehr allein für das, was wir wissen – Google weiß ja schon alles -, sondern für das, was wir mit dem was wir wissen tun können. In der Zukunft geht es darum, die künstliche Intelligenz von Computern mit den kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten und Werten von Menschen zu verknüpfen. Erfolg in der Bildung heißt heute nicht nur Sprache, Mathematik oder Geschichte, sondern ebenso Identität, Handlungsfähigkeit und Sinnhaftigkeit. Es geht darum, Neugier und Wissensdurst zu wecken – den Intellekt für Neues zu öffnen, es geht um Mitgefühl – die Herzen zu öffnen, und es geht um Mut, die Fähigkeit unsere kognitiven, sozialen und emotionalen Ressourcen zu mobilisieren. Das werden auch unsere besten Waffen gegen die größten Bedrohungen unserer Zeit sein – Ignoranz – der verschlossene Verstand, Hass – das verschlossene Herz, und Angst – der Feind von Handlungsfähigkeit.(…)

      Das führt uns zu der schwierigsten Frage in der Bildung: Es geht um die Wertorientierung von Bildungsprozessen. Werte waren schon immer von zentraler Bedeutung für die Bildung, aber es ist an der Zeit, dass sie von impliziten Bestrebungen zu expliziten Bildungszielen und -praktiken werden, damit sie uns helfen, uns von situationsbedingten Wertesystemen – d.h. “Ich tue, was immer eine Situation mir erlaubt” – zu nachhaltigen Wertesystemen zu entwickeln, die Vertrauen und soziale Bindungen stärken. Wo Bildung den Menschen kein solides Fundament bietet, werden viele versuchen, Mauern zu errichten, egal wie selbstzerstörerisch das ist.

      Die Quintessenz ist, dass wir, wenn wir der technologischen Entwicklung voraus sein wollen, die Qualitäten finden und verfeinern müssen, die einzigartig für uns Menschen sind, und die Fähigkeiten, die wir in unseren Computern geschaffen haben, ergänzen und nicht mit ihnen konkurrieren. Die Aufgabe von Bildung ist, Menschen erster Klasse zu entwickeln, keine Roboter zweiter Klasse. Future Skills hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Zukunftskompetenzen systematisch zu erarbeiten. Was dieses Buch aber einzigartig macht, ist die Qualität eines echten Praxisbuchs. Damit können Lernende und Lehrende zu Entfaltenden der eigenen Potenziale und zu Zukunftsgestaltenden werden. Für und bei sich selbst. In Teams, in Organisationen, in der Gesellschaft.

      Thomas Sattelberger (STS BMBF) stellt in seinem Vorwort einen Bezug zur Schule so her:

      Leistungsstandards und Abschlüsse werden uns noch lange Zeit begleiten. Gleichzeitig müssen wir uns bewusst machen, was Schule eigentlich sein soll: ein Biotop für die Unterschiedlichkeit von Begabung! Wer über Future Skills spricht, darf nicht vergessen: Skills entstehen nie im luftleeren Raum. Ihr Erwerb ist eingebettet in ein soziales Interaktionsgefüge: Zum einen in den Entwicklungsprozess der Institution Schule selbst. Zum anderen in Entwicklung, Teilhabe und Teilnahme sowie Ansprüche diverser Stakeholder außerhalb von Schulgebäuden und Lernorten. (…) Es braucht die Propheten der Zukunft, die Überzeugungstäter in der Bildung, die Prototypen-Pioniere neuer Bildungswelten. Und die Autorinnen und Autoren dieses Sammelwerks gehören alle dazu.

      Mein Fazit
      Mir gefällt das Buch. Es ist kein Lehrbuch und lädt zum Entdecken ein. Man muss das Buch nicht „von vorne bis hinten“ lesen. Im Gegenteil: Ich habe mich über die Überschriften führen lassen. Man schnappt in den sozialen Netzwerken ja das eine oder andere Stichwort auf: „New Work“, „Change“, „Resilienz“, „Design Thinking“, „Frei-Day“, „Storytelling“ u. v. m.

      In diesem Praxisband gelingt den Autor*innen ein Einstieg in die jeweiligen Themenschwerpunkte. Anschauliche Abbildungen erleichtern das Verständnis. Hilfreich und praktisch sind die in fast jedem Beitrag vorgestellten Tools. Wer sich in die in sich abgeschlossenen Schwerpunkte weiter reinfuchsen will, findet eine umfangreiche Literaturliste vor.

      Somit eignet sich das Buch sowohl für einen Einstieg wie auch für eine Vertiefung in die Vermittlung von Future Skills. Und wer von diesen Kompetenzen noch nie etwas gehört hat, bekommt nach der Lektüre eine erste Ahnung…

      … Stay tuned …

      Bildnachweis: Gerd Altmann @pixabay

      References